Ein Viertel kann gespart werden

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Geschrieben von: Elke Bunge, Berlin 20.01.09
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Ispra - Die Europäische Union will die Energieeffizienz vorhandener, wirtschaftlich genutzter Gebäude verbessern. Dem dient die 2005 gestartete GreenBuilding-Initiative, die vom italienischen Elektroingenieur Paolo Bertoldi (47) geleitet wird. Bertoldi ist im Forschungszentrum der EU im lombardischen Ispra für Vorhaben zur Steigerung der Endverbrauchseffizienz verantwortlich.

Thomas Veser: In welcher Grössenordnung kann bei Sanierung und Neubau von Gebäuden Energie eingespart werden?

Paolo Bertoldi: Etwa 40  Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der EU gehen auf das Konto von Gebäuden. Nicht für Wohnzwecke genutzte Gebäude und Anlagen, darunter Büros, Schulen, Universitäten oder Flughäfen, benötigen davon etwa ein Drittel. Werden bereits vorhandene Gebäude optimal saniert und Neubauten nach den entsprechenden Anforderungen errichtet, lassen sich in der Regel bis zu 25 Prozent Energie einsparen. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass von den im Jahr 2006 für Gebäude in Europa verwendeten 467 Millionen Tonnen Öleinheiten 116 Millionen Tonnen eingespart werden könnten.

Forschen am Lago Maggiore
Als die Europäische Kommission nahe dem lombardischen Ispra vor über 40 Jahren ihr Forschungszentrum JRC gründete, stand die Erforschung der Nuklearenergie im Vordergrund. In den 80er Jahren verordnete Brüssel der Forschungsstätte am Lago Maggiore einen Kurswechsel. Heute beschäftigt man sich dort vornehmlich mit erneuerbarer Energie.
Im Zentrum steht die 2005 gestartete Initiative GreenBuilding, an der sich auch Unternehmen und Institutionen aus Nicht-EU-Ländern kostenfrei beteiligen können. Ziel ist die Verbesserung der Energieeffizienz vorhandener, wirtschaftlich genutzter Gebäude. Wohngebäude werden dabei nicht berücksichtigt.
Als erstes wird ein Energie-Audit des Gebäudes erstellt. Ein Massnahmenplan beschreibt die angestrebten Ziele, und über den weiteren Verlauf wird systematisch berichtet. Wenn der Teilnehmer die vorgegebenen Ziele erreicht, verleiht ihm die Kommission den Status eines GreenBuilding-Partners. Dabei können sich die Teilnehmer individuell beraten lassen, wo sie Energie wirkungsvoll einsparen können und welche Technologien dazu nötig sind. Dazu gibt es in  jeden EU-Land Agenturen, die sich als Ansprechpartner empfehlen.
Gegenwärtig nutzen über 80 Teilnehmer aus zehn EU-Ländern den Beratungsdienst, darunter Banken, Versicherungen, Stadtverwaltungen, Bildungsstätten sowie Umweltschutzorganisationen. Als Unterstützer können sich zudem Firmen beteiligen, die im Bausektor tätig sind. Dazu zählt beispielsweise Siemens Building Technologies.
Als herausragendes Beispiel des GreenBuilding-Programms in Deutschland gilt der Energie-Park in Erlangen: Hier dienen Erdwärme-Sonden zum Heizen und Kühlen sowie Photovoltaik-Module zur Stromerzeugung für den Betrieb der Wärmepumpen.        Thomas Veser

Thomas Veser: Welche Schritte werden dazu nötig sein?

Paolo Bertoldi: Um die Effizienz von Gebäuden zu steigern, braucht man eine Vielzahl technologischer, aber auch politischer Massnahmen. Wenn es etwa um neue Gebäude geht, dann sind die Baurichtlinien wichtig. Bei der Optimierung vorhandener Gebäude können die Besitzer vor allem durch finanzielle Anreize überzeugt werden. Wegen des Klimawandels und steigender Energiepreise müssen sich alle EU-Mitgliedsstaaten auf Sparmassnahmen konzentrieren– solche Programme gibt es seit einigen Jahren in allen EU-Ländern in ähnlicher Ausprägung.

Thomas Veser: Was können Unternehmen einsparen?

Paolo Bertoldi: Gebäude bestehen aus verschiedenen Systemen, etwa für Heizung, Kühlung, Beleuchtung und Informationstechnologie. Nehmen wir nur einmal die Beleuchtung, da lassen sich im Vergleich zu einem alten System heutzutage etwa 70 Prozent Energie einsparen. In bestehenden Gebäuden liegt das gesamte Einsparpotenzial im Allgemeinen bei 25 bis 30 Prozent. Um ein praktisches Beispiel zu nennen: Wenn ein Unternehmen seine Gebäude mit einer einmaligen Investition von einer Million Euro effizient umbauen lässt, kann es seine Energierechnung, die bislang bei 200.000 Euro Euro lag, um 70 000 Euro reduzieren. Nach rund 15 Jahren hat es die Investitionskosten wieder hereingeholt, und ab dann beginnt das Sparen.

Thomas Veser: Was erwarten Sie von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik?

Paolo Bertoldi: Die drei Bereiche müssen eng zusammenarbeiten. Die Forschung entwickelt neue Lösungen. Die Wirtschaft setzt sie in Produkte um und steuert die nötigen Finanzmittel bei. Und die Aufgabe der Politik ist es, günstige Rahmenbedingungen zu schaffen, damit künftig in diese Technologien investiert wird.

Thomas Veser: Wo werden wir Europäer in 15 bis 20 Jahren technologisch stehen?

Paolo Bertoldi: Meiner Meinung nach sind die wichtigen Technologien, die wir benötigen, bereits vorhanden, fast alle befinden sich heute schon auf dem Markt. Damit lässt sich sicherstellen, dass Gebäude optimal beheizt, gekühlt und beleuchtet werden und dass sie auch richtig wärmegedämmt sind. Die Forschung hat den überwiegenden Teil der zu bewältigenden Arbeit geleistet. Jetzt geht es darum, die Resultate anzuwenden. Von hoher Bedeutung ist sicherlich auch eine gute Integration dieser Technologien – ihre Effizienz lässt sich nämlich mit Hilfe eines durchdachten Gebäudemanagementsystems noch weiter verbessern.

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Rolf Wuestenhagen
«Der Über­gang in eine er­neuer­bare Energie­zu­kunft hat längst be­gonnen. Da­raus er­ge­ben sich enorme unter­nehmerische Chancen. In der Ma­na­ge­ment‑Aus- und Wei­ter­bil­dung an der Uni­ver­sität St. Gallen leis­ten wir einen Bei­trag zur Eb­nung des We­ges von 20:80 zu 80:20.»
Rolf Wuestenhagen,
Lehrstuhl für Management Erneuerbarer Energien, Uni SG

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