Die Entwicklung der Dachmarke MINERGIE für nachhaltige Bauten verlief seit den frühen 90-er Jahren parallel zu unabhängigen Aktivitäten in anderen Ländern, etwa in Deutschland mit Passivhaus den USA mit LEED. Ein Kompliment für alle, haben sie doch in ihren Ursprungsländern und zunehmend in anderen Teilen der Welt teils zu deutlich verbesserter Bauweise geführt. Verschiedene Bau-Auszeichnungen, wie MINERGIE und Passivhaus konzentrieren sich auf den zentralen Umweltfaktor Energie und stellen hier hohe Anforderungen. Passivhaus ist aber ein Sammelbegriff für Bauten einer bestimmten Machart, kennzeichnet also generische Haustypen. MINERGIE, LEED hingegen sind eingetragene Nachhaltigkeitsmarken. Während LEED ein breites Spektrum von Umweltfaktoren einbezieht, berücksichtigt MINERGIE neben dem Umweltfaktor Energie die beiden zentralen Verbraucherbedürfnisse Komfort und Werterhalt. Weite-re Umweltanliegen werden von MINERGIE mit dem vom Verein Eco-Bau getragenen Zusatz -ECO berücksichtigt, noch strengere Energieanforderungen mit MINERGIE-P. Die weltweit wichtigsten Energielabels:
Gebäudetechnik MINERGIE hat einige grundsätzliche technische Vorteile, welche bezüglich Komfort, Werterhal-tung und Wärmebedarf relevant sind. Entsprechend seiner Philosophie gibt es nur Ziele vor und überlässt die Ausführung den am Bau beteiligten Fachleuten. So lassen alle MINERGIE-Standards offen, wie die Wärme im Haus verteilt werden soll. Aufgrund des hohen Stellenwertes des Komforts setzen Bauherren und ihre Fachleute in MINERGIE-Bauten fast ausschliesslich Wasser führende Systeme ein. Wasser kann etwa 3500mal mehr Wärme transportieren als Luft und Luft wird zudem bei Erwärmung zum Heizen trockener. Die Zuluftmenge und ihre Temperatur müssen bei der Luftheizung zudem bei kaltem Wetter mit Komfort- und Energiever-lust weiter erhöht werden. Auch sind in der Schweiz die Wohnflächen pro Person weit grösser als anderswo. Für grössere Wohnflächen sind heizende Luftverteilsysteme aber speziell unge-eignet, weil dann für die Heizung viel erwärmte Luft benötigt wird, mit entsprechend grossen Luftkanälen, störenden Geräuschen und erhöhtem Strombedarf des Ventilators. Geschäftsmodelle MINERGIE hat sich von Anfang an die Erhöhung des Wohnkomforts-, der Werterhaltung UND des Umweltnutzens von Bauten durch Aktivierung der Wirtschaft zum Ziel gesetzt. Dabei wurden pragmatische Grenzwerte gewählt, die in regelmässigen, sinnvollen Abständen an die aktuelle Bautechnik angepasst werden. Die wichtigste Zielgruppe von MINERGIE ist denn auch das Gros der durchschnittlichen, normal umweltbewussten, eben weitsichtigen Bauherren, wäh-rend sich viele andere Bau-Auszeichnungen auf die umweltbewusste Bauherrschaft ausrichteten. Als Hauptinstrument wurde die Qualitätsmarke mit Zertifikat als verbindlichem Leistungsausweis portiert, auch für Sanierungsprojekte. Ohne Nachweis wird ein Bau nicht zertifiziert und darf die Marke MINERGIE nicht tragen. Fehlbare werden gerichtlich belangt. Diese Leistung zur Verbesserung der Qualität und Werterhaltung muss denn auch zwingend vom Nutzer der Marke bezahlt werden. Wirtschaftliche Relevanz MINERGIE-Bauten erfordern je nach Bautyp und Bauweise etwa 2 bis 10 Prozent höhere Investitionen (ohne Baugrund). Insgesamt sind also Mehrinvestitionen von rund 1,5 Milliarden Franken in zertifizierte MINERGIE-Bauten getätigt worden. Es ist zudem bekannt, dass zusätz-lich etwa gleich viele nicht-zertifizierte Bauten gleicher oder ähnlicher Bauweise existieren, weil diese Bauherren wohl die Bauweise, nicht aber das Zertifikat für wichtig erachteten. Die tatsächlichen Mehrinvestitionen betragen also etwa 2 bis 3 Milliarden Franken. Schlussfolgerung Der MINERGIE-Standard und eine Reihe anderer Auszeichnungen nachhaltigerer Bauten haben bewiesen, dass sie dem modernen Bau neue Impulse und bedeutenden Mehrwert geben können. MINERGIE hat im Schweizer Markt eine weit höhere Wirkung als alle im Ausland angetroffenen Bau-Auszeichnungen entfaltet, weil es neben der Energieeffizienz auch Bedürfnisse der Bauherren und Nutzer von Wohn- und Dienstleistungsbauten bezüglich Komfort und Wert-erhalt anspricht. Zu den Autoren: Dr. Ruedi Kriesi ist Vizepräsident, Leiter der Strategiegruppe und Ehrenmitglied des Vereins MINERGIE und Leiter Technologie bei der Zehnder Group. Bis Frühjahr 2000 leitete er die Energiefachstelle des Kantons Zürich. Heinz Uebersax, (Ökonom BBA, MBA, dipl. Chem.) ist Berater der Strategiegruppe und Ehrenmitglied des Vereins MINERGIE und war erster Eigentümer der Marke MINERGIE(1994-97). Er ist Inhaber von UC Uebersax Consulting und Mitglied der Swiss Economists.
Bild: Minergiehaus in Dornach (Bild: Renggli AG) |