London - Trotz massiver Kritik von Umweltschützern und Opposition: Der britische Regierungschef Gordon Brown stimmt einem Ausbau Heathrows zu. Damit wird Europas grösster Flughafen noch grösser. Doch ob die dritte Start- und Landebahn je gebaut wird, ist mehr als offen. Denn die Erweiterung steht in Kontrast zur britischen Klimaschutzpolitik.
Am Ende gab es keine Abstimmung im Parlament, sondern nur ein Ja-Wort des Regierungschefs. Durch den Bau der neuen Start- und Landebahn wird Heathrow bis zum Jahr 2030 jährlich 720.000 Flüge statt wie bisher 480.000 abfertigen können. 700 Häuser und 255 Hektar Grünfläche müssen dem Flughafen weichen. Aber auch bis zu 65.000 neue Arbeitsplätze stehen in Aussicht. Um der grünen Politik Rechnung zu tragen, sollen umweltverträglichere Flugzeuge auf der neuen Startbahn zum Einsatz kommen. Auch eine Hochgeschwindigkeitszugverbindung zwischen Londons Zentrum, Heathrow und dem Norden des Landes ist geplant. Damit soll der Anfahrtsverkehr reduziert werden.Steht Londons Zukunft in Frage? Offiziell befürwortet die britische Regierung eine Erweiterung des grössten Flughafens Europas seit einer Gesetzesvorlage von 2003. Sie war sich einig mit Wirtschaftsvertretern und der Flughafenindustrie, die befürchteten, dass London im internationalen Wettbewerb zurückfallen könnte. Die Industrie wies stets darauf hin, dass Paris, Frankfurt und Amsterdam mindestens vier Start- und Landebahnen verfügen. Paul Charles von der Fluggesellschaft Virgin Atlantic sagte, Grossbritanniens Wirtschaft werde ohne den Ausbau leiden. Charles: „Investoren werden sich verabschieden, es werden keine Jobs mehr geschaffen und Investoren stattdessen nach Europa gehen.” Auch Lady Valentine, Sprecherin des britischen Unternehmensverbands „London First” erklärte, Grossbritannien werde den modernisierten Flughafen nach der Rezession mehr brauchen denn je. Opposition fürchtet Klimadesaster Die britische Opposition sieht das anders. Dazu gehören auch rund 50 Labour-Parlamentarier, die sich gegen die Pläne ihrer eigenen Partei stellten. Klimaschützer argumentieren, die Expansion liesse eine Erfüllung der Umweltrichtlinien nicht zu. Dabei ist die Regierung rechtlich gebunden, Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent senken. „Die Expansion zerstört den internationalen Ruf Grossbritanniens beim Klimawandel,” sagte „Friends of the Earth”-Vorsitzender Andy Atkins. Minister sind dagegen der Ansicht, dass die neuen Flugzeuge wesentlich weniger Emissionen ausstossen und leiser sein werden. Nach Angaben der BBC würden Fluglinien und Flughafenbetreiber British Airport Authority (BAA) künftig nicht mehr über die Kapazität der neuen Landebahn bestimmen. Stattdessen solle die Entscheidungsgewalt bei einem überparteilichen Klimawandel-Komitee liegen. Die Behörde könnte Fluglinien bei Nichteinhaltung strikter Lärm- und Emissionsrichtlinien die Starterlaubnis verweigern. Diese Zugeständnisse sollten offenbar vor allem auch die Bedenken von Klimawandelminister Ed Miliband und Umweltminister Hilary Benn ausräumen. Entscheidung könnte dennoch kippen Wirtschaftsminister Lord Mandelson verteidigte die Entscheidung: „Es ist ein klassisches Dilemma. Wir wollen unsere Ziele beim Klimaschutz verfolgen, aber dabei nicht unsere Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Wir wollen beides tun.” Theresa Villiers, Oppositionssprecherin im Verkehrsressort, sagte dagegen: „Gordon Brown hat sich taub gestellt gegenüber der Bedenken seiner eigenen Partei und Millionen von Menschen, die in der Flugschneise leben.” Die Konservativen wollen den Ausbau im Falle ihrer Wahl stoppen. In der Zwischenzeit muss die Expansion erst eine Parlamentsdebatte sowie einen zeitaufwendigen Baugenehmigungsprozess durchlaufen. Die Fertigstellung der Start- und Landebahn würde frühestens 2019 erfolgen. Gegner der Heathrow-Expansion bereiten schon Klagen gegen die Entscheidung vor. Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen.
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