Mit doppelter Rendite

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Geschrieben von: Franziska Ramser, Bern 09.01.09
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Gutes tun und dabei verdienen: Investitionen in Mikrofinanz-Fonds versprechen neben der soliden finanziellen auch eine soziale Rendite. Experten prognostizieren dieser nachhaltigen Anlage eine grosse Zukunft. Kritiker warnen aber auch vor einer neuen spekulativen Blase.

Anna Leona Mushi verkaufte auf dem Markt Gemüse und Früchte, um ihre Tochter und die Eltern zu ernähren. Vom Verdienst konnte die Familie in der tansanischen Kleinstadt Mango aber kaum leben. Dann gewährte die Akiba Commercial Bank der jungen Frau einen Kredit von 32 Dollar. Damit kaufte Mushi Gebrauchtartikel und Süssigkeiten und erwirtschaftete innert kurzer Zeit zehn Dollar. Weitere Kleinstkredite ermöglichten den Kauf von vier Schweinen, die bald Nachwuchs hatten. Heute verkauft die Afrikanerin in ihrem kleinen Laden erfolgreich Fleisch, Reis, Öl und andere Lebensmittel, die kleine Tochter geht zur Schule.

Als Kleinstunternehmer überleben

500 Millionen Menschen in Entwicklungsländern sind wie Anna Leona Mushi so genannte Kleinstunternehmer. Sie handeln mit Lebensmitteln oder bieten handwerkliche Dienstleistungen an. Um einen Kiosk, eine Imbissbude oder eine Werkstatt zu gründen, fehlt es ihnen aber an Kapital. Und weil sie keine Sicherheiten in Form von Grundstücken oder Vermögen vorweisen können, erhalten sie bei einer kommerziellen Bank keinen Kredit.

Stichwort Mikrokredite
Die modernen Mikrokredite wurden in den 70er Jahren in Bangladesh von Muhammad Yunus entwickelt. Der Wirtschaftswissenschaftler setzte dabei auf die Solidarität und die Selbsthilfe der lokalen Bevölkerung. 1983 gründete er die Grameen-Bank. Dabei werden Kredite vergeben, die zwar oft nur mehrere hundert Franken umfassen, dem Kreditnehmer – noch öfter: der Kreditnehmerin - aber eine wesentliche Verbesserung seiner/ihrer wirtschaftlichen Situation ermöglichen. Dabei müssen keine Sicherheiten hinterlegt werden. Yunus setzt vielmehr auf den Gruppendruck und sieht sich dabei bestätigt: Die Kreditausfallrate ist nicht höher, sondern meist niedriger als diejenige „normaler“ Banken.
Während die Finanzmittel ursprünglich von der lokalen Bevölkerung aufgebracht worden sind, haben längst auch westliche Banken und Finanzinstitute für den Markt der Mikrokredite entdeckt.
Im Jahr 2006 erhielten Yunus und seine Grameen-Bank den Friedensnobelpreis.

Diese Lücke füllen die Institutionen der Mikrofinanz. „Sie bieten Dienstleistungen für arme, aber aktive Unternehmer in Entwicklungsländern an“, erklärt Patrik Huber, Mitglied der Geschäftsleitung von Responsability. Die Organisation schlägt eine Brücke zwischen Investoren in reichen und Mikrofinanzanbietern in armen Weltgegenden: „Der Investor zeichnet bei seiner hiesigen Bank unseren Responsability Global Microfinance Fund. Der Fonds refinanziert Mikrofinanzinstitute vor Ort“, sagt Huber. Zu den Gründungspartnern gehören die Credit Suisse, Raiffeisen Schweiz, Vontobel und Swiss Re.

Hohe Rückzahlungsquote

Um sich selber tragen zu können, berechnen diese bankähnlichen Institutionen ihren Kunden sehr hohe Zinsen. Denn der administrative Aufwand bei der Vergabe eines Kleinstkredites ist kaum geringer als jener für ein grosses Darlehen. Trotz der 20 bis 80 Prozent Zinsen, und obwohl die Kunden über keinerlei Sicherheiten verfügen, sind die Rückzahlungsquoten bei Mikrokrediten sogar höher als bei konventionellen Bankkrediten. Burkhard Varnholt, Chief Investment Officer der Bank Sarasin, erstaunt das nicht: „Gerade weil keine Sicherheit existiert, sind die lokalen Kreditgeber vorsichtiger“, erklärt der Banker. Dasselbe gelte für die Kunden. „Sie sind eingebunden in eine Gemeinschaft, die latent Druck ausübt, den Kredit zurückzuzahlen.“ Denn die dörfliche Gesellschaft ist mit betroffen, wenn ein Kleinunternehmer scheitert.

Hohes Potential und gute Rendite

Der Handel ist auch für die Geberseite attraktiv. „Ein Mikrokredit ist Hilfe zur Selbsthilfe – aber auch ein Geschäft auf Augenhöhe, an dem der Investor verdienen kann“, sagt Huber. Neben der sozialen winkt eine tiefe aber stabile finanzielle Rendite von drei bis fünf Prozent. Waren Mikrokredite zu Beginn reine Entwicklungshilfe, so sind heute etwa 200 der grössten Mikrofinanzinstitutionen auch für kommerzielle Investoren interessant. „Es gibt seit mehreren Jahren einen anhaltenden Trend zu sozial verantwortlichen Investments“, sagt Huber. Die Finanzkrise werde diese Entwicklung nicht stoppen, sondern massiv verstärken, glaubt man auch bei der Bank Sarasin. Denn das Mikrofinanzsegment zeichne eine Tugend aus, die jetzt wieder hoch im Kurs stehe: Transparenz.
Die Nachfrage ist auch auf der anderen Seite gross: Das Potential des Mikrofinanzwesens betrage weltweit 250 Milliarden Dollar, aktuell seien aber nur 36 Milliarden im Umlauf, schätzt man bei Responsability. Es hätten also erst 15 Prozent der Mikrounternehmer Zugang zu Kredit. „Der Markt hat grosses Potential“, sagt Huber.

Kein Ersatz für Entwicklungsstrategie

Dem Boom des Mikrofinanzsektors steht die entwicklungspolitische Organisation Erklärung von Bern skeptisch gegenüber. „Man darf den Erfolg der Mikrokredite nicht mit einer erfolgreichen Entwicklungsstrategie verwechseln“, warnt Geschäftsleitungsmitglied Andreas Missbach. Mikrofinanzprojekte setzten nämlich ein gewisses Entwicklungsniveau bereits voraus: Fehlt der lokale Markt oder fehlt die kaufkräftige Kundschaft, so nützt dem Kleinbauer das Darlehen nichts. Gerade den Ärmsten sei mit Mikrofinanzprojekten also nicht geholfen.
Zudem drohe mit dem Erfolg des Mikrofinanzsektors eine Blase. „So könnte die Verfügbarkeit grosser Summen zu günstigen Konditionen die Kreditgeber dazu verleiten, die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden schlechter zu prüfen“, sagt Missbach.
Was passiert, wenn Kreditnehmer ihre Darlehen dann nicht zurückzahlen können, hat die amerikanische Immobilienbranche jüngst vorgeführt.
Blinde Euphorie ist also auch im nachhaltigen Investment fehl am Platz. „Wie jede Anlage müssen auch Mikrofinanzprodukte sorgfältig geprüft werden“, sagt Varnholt. Generell seien diese Fonds aber eine hervorragende Sache. „Sie machen die Welt tatsächlich zu einem besseren Ort.“

 

Bild: Markt bei Harar in Äthiopien (Bild: Thomas Veser)

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