Billiges Öl schadet Industrie

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Geschrieben von: Lisa Louis, Paris 09.01.09
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Der derzeitige niedrige Ölpreis ist Gift für die Automobilindustrie, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Billiger Treibstoff hält die Konsumenten davon ab, verbrauchsarme Autos zu kaufen und damit die Modernisierung der Branche voranzutreiben. Auch das Elektroauto kann die Automobilindustrie nicht retten. Es bildet einen Zukunftstrend, bleibt aber auf absehbarer Zeit ein Nischenprodukt.

Lisa Louis: Die Automobilindustrie steckt in der Krise. General Motors setzt auf Chevrolet Volt, Renault-Nissan auf seine eigenen Stromautos. Sind Elektroautos ein Ausweg?

Ferdinand Dudenhöffer: Nein. Erst um 2015 werden Elektroautos in grösseren Mengen zu erschwinglichen Preisen auf den Markt kommen. Um aus den aktuellen Schwierigkeiten heraus zu kommen, muss schon vorher etwas passieren.

Lisa Louis: Was sollte das sein?

Dudenhöffer: Die Wirtschaft muss wieder in Gang gebracht werden, und zwar durch breit angelegte Konjunkturprogramme seitens der Regierungen. Das wurde ja auch unter anderem in den USA, Frankreich und Deutschland beschlossen.

Lisa Louis: Hilfspakete für Autobauer sind also kein Ausweg?

Ferdinand Dudenhöffer: Nein. Einzelne Branchen durch gezielte Subventionen hoch zu füttern, bringt nichts. Das Einzige, was Sinn macht für die Automobilindustrie, wären stabile – und höhere – Benzinpreise: So denken Verbraucher stärker über neue, spritsparende Fahrzeuge nach.

Lisa Louis: Schadet ein niedriger Spritpreis der Automobilbranche?

Ferdinand Dudenhöffer: Die extremen Schwankungen des Ölpreises machen das Problem. Schauen Sie, derzeit sind die Preise im Keller und jeder erwartet, dass die Benzinpreise wieder steigen. Also bin ich doch gut bedient, mein heute grosses Auto einfach so lange weiter zu fahren und mir den Luxus zu gönnen, bis die Preise an der Tankstelle anziehen. Einen neuen grossen Spritfresser zu kaufen macht keinen Sinn, denn ich erwarte ja hohe Benzinpreise. Teure Spritspartechnik bei niedrigen Benzinpreisen zu kaufen, macht auch keinen Sinn. Also ist die beste Entscheidung, derzeit nichts zu kaufen. So lange wir so niedrige Treibstoffpreise haben, sind nicht nur Hybrid- und Elektroautos Ladenhüter.

Lisa Louis: Hat der Elektromotor trotzdem eine Zukunft?

Ferdinand Dudenhöffer: Ja, das ist ein ganz grosser Trend. Aber das braucht Zeit. Mit der Elektrifizierung des Antriebs wird Autogeschichte völlig neu geschrieben und die gesamte Industrie muss sich umstellen.

Lisa Louis: Wird der Verbrennungsmotor also langfristig vom Markt verdrängt?

Ferdinand Dudenhöffer: Ja und nein. Wir rechnen damit, dass er in Hybridform weiter bestehen bleibt. Diese Form des Antriebs, bei der das Auto abwechselnd mit einer Batterie und einem Verbrennungsmotor fährt, wird im Jahr 2025 circa 90 Prozent des Marktes ausmachen. Reine Elektroautos bleiben ein Nischenprodukt, nach unseren Schätzungen werden sie künftig rund 10 Prozent des Absatzes ausmachen.

Lisa Louis: Warum werden Elektroautos kein Massenprodukt?

Ferdinand Dudenhöffer: Es wird immer Probleme geben mit der Reichweite. Sollen Elektroautos 500 Kilometer oder mehr schaffen, ohne lange Aufladezeiten in Kauf zu nehmen, brauchen wir sehr grosse, schwere Batterien mit entsprechend hohen Kosten. Sinnvoller ist es, das Auto auf 100 Kilometer Reichweite mit Batterie auszulegen und wenn ich mal länger fahren will, einen kleinen Verbrennungsmotor zu nutzen - also einen Hybrid.

Lisa Louis: Der Tesla-Roadster schafft es inzwischen auf eine Reichweite von 350 Kilometern.

Ferdinand Dudenhöffer: Dafür wurden viele Handybatterien hintereinander geschaltet. Der Wagen ist ein kleiner Sportwagen mit eingeschränktem Platz. Zusätzlich kann kein Mensch heute Angaben über die Lebensdauer und Standfestigkeit der teuren Tesla-Batterie geben. Noch werden die Renner nicht ausgeliefert. Ausserdem ist das Auto aufgrund der Batterien zu teuer: Zurzeit kostet es über 90.000 Euro.

Lisa Louis: Ist das Modell „Project Better Place“ ein Ausweg, bei dem die Batterie an speziellen Tankstellen ausgetauscht wird?

Ferdinand Dudenhöffer: Da bin ich sehr skeptisch. Denn eine solche Tankstellen-Infrastruktur muss ja erst errichtet werden – und das ist eine sehr grosse Investition. Diese muss gleich am Anfang getätigt werden, selbst wenn erst einige wenige Elektroautos verkauft wurden. Bis das Elektromodell einen grossen Marktanteil ergattert und somit die Investition rentabel wird, kann viel Zeit vergehen. Denn Verbraucher ändern ihr Verhalten nun mal langsam, sie warten dafür auf Erfahrungsberichte der anderen. Also besteht das Risiko, dass der Batterie-Tankstellen-Besitzer „verhungert“. Vielleicht klappt das „Project Better Place“ in kleinen Ländern wie Israel. Für Flächen-Märkte wie Deutschland, Schweiz oder Frankreich wird das nicht funktionieren.

Zur Person:

Professor Ferdinand Dudenhöffer ist einer der bekanntesten Experten für die Automobilindustrie. Geboren 1951 in Karlsruhe, arbeitete er nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim unter anderem für die Automobilkonzerne Opel, Porsche und PSA-Peugeot Citroen. Heute ist Dudenhöffer Professor für Marketing und Unternehmensführung an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Im Juni 2000 gehörte er zu den Mitbegründern des Centers of Automotive Research (CAR), dessen Direktor er ist.