Ein Anstieg des Meeresspiegels aufgrund des Klimawandels würde Grossbritannien besonders schwer treffen. Ein walisisches Pilotprojekt soll nun untersuchen, ob Schutzwälle die beste Lösung bieten oder ob das Land geflutet werden sollte. Anderswo im Land ist die Entscheidung bereits gefallen: Das Meer holt sich Land zurück.
Als grösste Insel Europas hat Grossbritannien eine Küstenlänge von rund 12.500 Kilometern zu schützen. Vor allem der westliche Landesteil Wales wäre bei einem Anstieg des Meeresspiegels besonders betroffen. Ein Waliser Pilotprojekt soll nun mögliche Folgen erörtern. Drei Gebiete, die unterschiedliche Arten von Flutungen ausgesetzt sind, werden untersucht. Die Frage ist: Wäre es sinnvoll Schutzwälle zu erhalten? Oder wäre es kostengünstiger, das geflutete Land dem Meer zu überlassen? Anstieg ist unausweichlich Dass die Klimaerwärmung die Meere anschwellen lässt, darüber sind sich Wissenschaftler rund um die Welt einig. Zwar besteht für Wales noch keine unmittelbare Gefahr. Dennoch müssen nach Ansicht der Waliser Regierung künftige Schutzsysteme auf ihre Tragbarkeit hin untersucht und diskutiert werden. Meic Davies von der Waliser Umweltbehörde sagte: „Der Meeresspiegel wird aufgrund des Klimawandels schneller steigen als ursprünglich angenommen, um bis zu einen Meter zum Ende dieses Jahrhunderts.” Städte und Dörfer in der Nähe von Flüssen oder Meer, die bereits mit Schutzwällen ausgestattet sind, sind noch nicht gefährdet. Doch Davies betonte, „Wichtig ist jetzt, an das Unvorstellbare zu denken: Wenn wir die Küste hier nicht schützen können, wann überlegen wir uns, was sonst machbar wäre?” Warnung aus Grönland Wissenschaftler von der walisischen Universität Swansea untersuchen unterdessen, wie schnell die Gletscher in Grönland schmelzen. Selbst ein ungeschultes Auge kann sich beim Apusijar Gletscher davon überzeugen. Dort kracht es laut, das Schmelzwasser plätschert unaufhörlich. Wie viele andere Gletscher schmilzt der Apusijar schneller denn je zuvor. Timothy James vom Institut für Umwelt der Universität erklärt: „Wenn das gesamte Eis schmelzen würde, hätte das einen Anstieg des Meeresspiegels von sieben Metern zur Folge. Das wird nicht so schnell passieren. Was uns allerdings Sorge macht, sind die kleinen Steigungen, von zehn bis 20 Zentimetern. Das ist sehr realistisch und würde vielen Ländern, inklusive Wales, grosse Probleme bereiten.” Dorf versinkt im Meer In anderen Landesteilen der britischen Inseln hat man bereits aufgegeben. Das Dorf Happisburgh in Norfolk an der britischen Ostküste verschwindet nach und nach im Meer. Viele Bewohner haben ihre Häuser an der sandigen Steilküste bereits verloren. Eine Entschädigung ist nicht in Sicht. Ein Sprecher der britischen Umweltbehörde sagte kürzlich, Staatsausgaben für Erosionsschutz habe inzwischen Rekordhöhe erreicht: „Wo sinnvoll, sind Pläne zum Schutz von Gemeinden in Kraft. Wir müssen allerdings sicherstellen, dass Steuergelder angemessen eingesetzt werden, um die regionale Wirtschaft zu unterstützen.” Für Sir John Houghton, ehemaliger Chef des Meteorologischen Dienstes und ehemaliges Mitglied des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel for Climate Change), besteht kein Zweifel, dass die Menschheit für die Erderwärmung verantwortlich ist. Aber er sieht auch neue Möglichkeiten für die Waliser. Sie sollten sich auf all die Urlauber vorbereiten, die demnächst nicht mehr ans Mittelmeer fahren wollen. „Weil es dort zu heiss sein wird, werden sie ihren Urlaub in Wales verbringen.” Das Land der Schafe und Wiesen wäre nicht mehr wieder zu erkennen.
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