Chicago - Barack Obama holt sich mit Nobelpreisträger Steven Chu einen Vorkämpfer „grüner“ Technologien ins Kabinett. Der künftige US-Energieminister setzt auf den Ausbau erneuerbarer Energiequellen, bezeichnet die Nutzung fossiler Kraftstoffe als Geldverschwendung und setzt auf fortschrittliche Technik wie Energie aus Bio-Masse. Politische Erfahrung hat er nicht.
Mit der Ernennung des renommierten Wissenschaftlers Steven Chu zum künftigen amerikanischen Energieminister hat Barack Obama eine Kehrtwende in der Energiepolitik seines Landes eingeleitet. Die USA wenden sich nun alternativen, erneuerbaren Energien zu, um den Treibhauseffekt zu mindern und mehr Unabhängigkeit von importierten Energien zu erreichen. Bei der Vorstellung von Chu sagte der designierte Präsident: „Meine Regierung schätzt die Wissenschaft und wird Entscheidungen treffen, die auf Fakten gestützt sind, die ihrerseits energisches Handeln erfordern.“ Kohle ist mein schlimmster Alptraum“ Der 60-jährige Chu ist Physik-Professor an der Universität von Berkeley (Kalifornien). 1997 wurde er mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet, für die Entwicklung von Methoden zur Kühlung und Einsperrung von Atomen. Seine Technik erlaubt, dass durch Laserlichtdruck Atome langsamer als Fußgängergeschwindigkeit werden. Das ermöglicht das Einsperren und Beobachten einzelner Atome für genügend lange Zeiten, so dass eingehende Untersuchungen an ihnen möglich werden. In Berkeley arbeitet Chu am Lawrence Berkeley National Laboratory, wo er das Helios-Projekt leitete, das neue Energiequellen für das US-Transportwesen entwickeln soll. Chu hat erklärt, Autos, die fossile Energien verbrennen, seien gleichbedeutend mit Geldverschwendung und Umweltverschmutzung. Chu arbeitet an Bio-Kraftstoffen, mit Schwerpunkt auf der Umwandlung von Cellulose aus Pflanzen in Treibstoffe. „Kohle ist mein schlimmster Alptraum“, sagte Chu in einem Vortrag. Die Eltern von Steven Chu sind in den 40er Jahre in die USA eingewandert. Sein Vater studierte Chemie-Ingenieur und seine Mutter Wirtschaftswissenschaft am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Aufgrund der beginnenden Unruhen in China entschlossen sie sich, in den USA zu bleiben. Steven Chu wurde am 28. Februar 1948 in St. Louis, Missouri, USA geboren. Zuständig für Kernkraftwerke und Atomwaffen Auf einer Pressekonferenz in Chicago zur Vorstellung seines Energie- und Umweltteams, nannte der „President-Elect“ (gewählte Präsident) am Montag nicht nur Chus wissenschaftliche Arbeiten als Begründung für dessen Berufung sondern vor allem Chus Engagement für die in Amerika „grüne Energie“ genannte Nutzung alternativer und erneuerbarer Energiequellen. „Chu hat als Wissenschaftler, Lehrer und Administrator neue Wege eingeschlagen. Und er hat das Berkeley Laboratorium darauf ausgerichtet, neue alternative und erneuerbare Energien zu entwickeln“, sagte Obama. „Steven ist einzigartig geeignet, unser neuer Energieminister zu werden, weil wir diese Zielsetzung als Leitlinie des Energieministeriums und als nationale Aufgabe ansehen“, sagte Obama. Das US-Energieministerium hat zwei Aufgaben: Es kontrolliert die amerikanische Nuklear-Industrie, beaufsichtigt auch die Atomwaffen des Landes und ist für die Lagerung radioaktiven Abfalls verantwortlich. Zum anderen betreibt das Ministerium eine Reihe von Laboratorien auf Welt-Niveau zur Forschung in den Bereichen Energie, Strahlung und verwandte Felder. Lobbyisten gegen grüne Technologien Mit der Ernennung von Chu hat Obama deutlich gemacht, dass er mit der versprochenen Umstellung auf „grüne Technologien“ Ernst machen möchte. „Dies wird ein bestimmender Schwerpunkt meiner Präsidentschaft sein und eine entscheidende Herausforderung unserer Zeit. Wir können Selbstzufriedenheit nicht akzeptieren, und keine weiteren gebrochenen Versprechen, “ sagte Obama. Im Wahlkampf hatte er einschneidende Gesetze zur Begrenzung der Emission von Treibhausgasen sowie die Einführung eines Systems von handelbaren Emissionsrechten versprochen. Daraus erwartet er Einnahmen von 15 Milliarden Dollar pro Jahr, die dann in die Erforschung moderner Alternativenergien fließen sollen. Weiterhin hat Obama ein Konjunkturprogramm angekündigt, das mindestens 500 Milliarden Dollar umfassen dürfte und unter anderem zur Förderung von Projekten wie Windfarmen und energieeffizienten Häusern dienen soll. Ähnliche Versuche sind in der Vergangenheit am Widerstand der Kohle-, Öl- und Industrielobby gescheitert. Angesichts der Rezession der US-Wirtschaft scheint fraglich, ob Obama die Unterstützung des Kongresses für sein volles Programm bekommt. Der designierte Energieminister Chu hat erklärt, die USA müssten auch als Vorbild für China und Indien handeln, deren Wirtschaften dabei sind, Anschluss an die USA und Europa zu gewinnen, auch, was Energieverbrauch und Umweltbelastung angeht. Die USA haben sich auch verpflichtet, ein Abkommen über die Begrenzung der Treibhausgase bis zum Dezember 2009 zu unterzeichnen. Foto: Lawrence Berkeley National Laboratory
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