Die grösste Herausforderung

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Geschrieben von: Martin Arnold, Posen 12.12.08
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Posen - Der Weltklimagipfel im polnischen Posen (Poznan) ist ohne konkrete Beschlüsse zu Ende gegangen. Bereits am nächsten Gipfel im Dezember 2009 in Kopenhagen soll ein neues Klimaabkommen unterzeichnet werden, das die globale Klimapolitik nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012 festschreibt. Bis dahin finden noch vier Fachkonferenzen statt. Umweltschützer erwarten viel vom neuen US-Präsidenten Barack Obama, dessen „grüne“ Politik Al Gore am Klimagipfel in Polen dargelegt hat.

Der ehemalige US-Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger Al Gore ist zum Star der Klimaszene geworden. Wie letztes Jahr in Bali feierte er auch dieses Jahr in Polen am Cop 14, dem Treffen verschiedener Arbeitsgruppen der Klimaverhandlungen des United Nation Framework Convention on Climate Change ( UNFCCC), einen umjubelten Auftritt. Vom designierten US-Präsidenten Barack Obama wusste Gore Sätze zu zitieren wie, die Zeit für Verspätungen sei vorbei und der Kampf gegen den Klimawandel eine Frage der nationalen Sicherheit.

Al Gore mahnt Skeptiker

Umweltschützer Gore sagte: „884 Städte haben sich in den USA den Regeln des Kyotoprotokolls angepasst, ohne auf die Regierung in Washington zu warten.“ Mit diesem Beispiel verknüpfte Gore die Hoffnung, jetzt vorwärts zu machen – egal welche Beschlüsse in Kopenhagen gefasst werden. Als Beispiel nannte er China, das ein „grünes“ (ökologisches) Stimulationsprogramm in der Höhe von 600 Milliarden Dollar für die Wirtschaft aufgelegt habe. Aber auch Brasilien, das kurz vor dem Treffen einen neuen Aktionsplan für den Klimaschutz aufgelegt hat, worin bis 2017 die Reduktion der Abholzung um 70 Prozent angekündigt wurde.
Experten sind über das Abschmelzen des Polar-Eises extrem alarmiert. Genauso über die Gletscherschmelze auf dem Hochplateau von Tibet, wo mehrere grosse Ströme ihr Quellgebiet haben. Von diesen Gewässern leben eineinhalb Milliarden Menschen. Mit jedem weiteren Quadratmeter geschmolzenen Eises wird zudem weniger Wärme reflektiert. Der Punkt, wo diese Dynamik nicht mehr zu stoppen ist, kommt nach Meinung vieler Experten immer näher. Martin Enderlin ist bei der Firma Ecosecurities im Range eines Direktors zuständig für Regulierungsfragen. Er ist Mitglied der Schweizer Delegation und Experte für CDM-Projekte. Das sind Projekte, mit denen der CO2-Ausstoss reduziert und dafür Zertifikate generiert werden. Enderlin sagt: „Ich habe den Eindruck, es gibt viele Delegierte, welche die Dimension der Herausforderung nicht erfasst haben, um die es hier geht.“

Feilschen um Entwicklungsgelder

Ihnen sagte Al Gore deutlich, was auf dem Spiel steht: „Wir stehen vor der grössten Herausforderung der Menschheit. Unsere Heimat Erde ist in Gefahr. Gewiss: Wir können den Planeten nicht zerstören. Aber wir Menschen können uns unsere Lebensgrundlage entziehen. Die Konsequenzen des Klimawandels sind nicht verhandelbar.“
Genau das versuchen aber viele Delegierten, wenn sie in kleinliches Feilschen verfallen. Mit einer gewissen Berechtigung konfrontieren die Entwicklungsländer die Industrienationen mit einer Bringschuld. Immerhin wird das meiste CO2 auch in den Industrieländern ausgestossen. Längst ist aber die Klimadiskussion auch zu einer Debatte über die Entwicklungshilfe geworden. Insofern war die Erhöhung der Schweizer Entwicklungshilfe auf 0,5 Prozent auch in Posen ein positives Signal. Doch Schweden macht vor, wie es noch besser geht. Zu den bestehenden 0,5 Prozent Entwicklungshilfe überweisen die Skandinavier innerhalb von drei Jahren eine halbe Milliarde Dollar für Projekte, die den Opfern von Klimakatastrophen zugute kommen. Dafür wurde in Bali der Aufbau eines Adaptationsfonds beschlossen, dessen operationellen Bedingungen nun in Posen fixiert wurden. Weiter wurden substanzielle Fortschritte bei den Verhandlungen über die Verhinderung weiterer Abholzungen gemacht.

Positives Signal vom EU-Gipfel

Bis zu einem neuen Klimaabkommen in Kopenhagen ist noch ein langer Weg. Immerhin sandte die EU mit ihrem am Freitag verabschiedeten Klimapaket, welches gegenüber 1990 eine CO2-Reduktion von 20 Prozent bis 2020 vorsieht, einen konstruktiven Impuls nach Posen. Zusammen mit der neuen Regierung in den USA, die bis 2020 eine CO2-Reduktion auf das Niveau von 1990 anstrebt und den neuerdings in Umweltfragen fortschrittlichen Ländern wie China und Brasilien, darf man optimistisch sein, bis Kopenhagen noch offene Fragen zu klären. Damit kann der „New Green Deal“ perfekt gemacht werden, der in Posen als neues Schlagwort die Runde machte. Vor allem müssen bis Kopenhagen neben der Anpassung an den Klimawandel auch Fragen der tatsächlichen Verpflichtung zur Emissionsreduktion, die Möglichkeit sie über den Zukauf von CDM-Projekten zu erfüllen, den Transfer nachhaltiger Technologien in die Entwicklungsländer und vor allem um die Finanzierung geklärt werden.
UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon hatte am Donnerstag vor dem Plenum deutlich gemacht, worum es geht: „Die Wirtschaftskrise ist sehr ernst, doch wenn sich das Klima ändert, wird es schlimmer. Der Klimawandel trifft unser Entwicklung, unser Leben, jetzt und weit in der Zukunft.“

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