Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sind nicht nur Aufgaben einer Stabsabteilung grosser Unternehmen, sagt Ulrich von Deessen, Klimaschutzbeauftragter von BASF, dem weltgrössten Chemie-Unternehmen BASF. Vielmehr müssen alle Mitarbeiter mitziehen. „Corporate Social Responsibility“ (CSR) geht zudem besonders auch kleine Unternehmen an, die wachsen wollen.
Ulrich Glauber: Was verstehen Sie unter sozialer Verantwortung von Unternehmen?
Ulrich von Deessen: Für die BASF ist es ein sehr schwieriger Akt, Ökonomie, Ökologie und die sozialen Belange auszutrimmen. Man muss dieses Dreieck gut ausbalancieren können. Das ist für mich CSR.
Ulrich Glauber: Als Vertreter eines Grosskonzerns haben Sie viele Möglichkeiten. Würden Sie auch Mittelständlern empfehlen, sich mit CSR und Nachhaltigkeit zu befassen? Ulrich von Deessen: Nachhaltige Unternehmensführung ist nicht abhängig von der Firmengrösse. Wenn man eine Firma gründet, stehen die ökonomischen Aspekte sicher im Vordergrund. Aber dann muss sofort auch der Gedanke kommen, wie arbeite ich, mit wem arbeite ich zusammen, welche Mitarbeiter brauche ich, wie muss ich sie motivieren und wie kann ich sie an mich binden, wenn ich wachse. Deshalb ist CSR besonders für Unternehmen in der Wachstumsphase ein Muss.
Ulrich Glauber: Wie beurteilen Sie das Spannungsverhältnis zwischen Freiwilligkeit und staatlicher Reglementierung im Hinblick auf die soziale Verantwortung von Unternehmen?
Ulrich von Deessen: Ich persönlich finde es besser, wenn CSR auf freiwilliger Basis läuft. In Deutschland hat der Staat sehr viele CSR-Themen an sich gerissen. In anderen Ländern sieht es ganz anders aus. So hat CSR in den USA eine völlig andere Bedeutung. Ausgangspunkt ist die Einstellung, ein Unternehmen solle sich um den Teil der Gesellschaft kümmern, in dem es arbeitet. Für Regelungen, nach denen dann alle das Gleiche tun müssen, ist die Welt zu heterogen.
Ulrich Glauber: Wir kann man sicherstellen, dass es nicht bei reiner Kosmetik bleibt?
Ulrich von Deessen: Nachhaltigkeit und CSR ist bei BASF nicht die Aufgabe einer Stabsabteilung, sondern von 47.000 Mitarbeitern weltweit. Dazu muss man diesen Mitarbeitern eine Richtlinie an die Hand geben. Bei der BASF ist das die Strategie 2015, die insgesamt vier Elemente enthält - darunter das Element Nachhaltigkeit. Natürlich sind da bei uns in den Regionen die Ausprägungen durchaus unterschiedlich. Sie können nicht als deutscher Konzern in ein Land gehen und sagen, ich beglücke euch jetzt damit, was wir in Deutschland haben. Das sind regionale Ausprägungen und die muss man respektieren und fördern. Vielleicht muss man auch eine Richtung fördern, die man für die richtige hält. Aber man muss es behutsam angehen.
Ulrich Glauber: Wie stellen Sie sicher, dass auch Zulieferer einbezogen werden? Ulrich von Deessen: Bei unseren Zulieferern – und das sind bei uns im wesentlichen Rohstofflieferanten - machen wir das über ein Managementsystem. Wir haben ganz klare Kriterien, welche Anforderungen an unsere Lieferanten wir stellen. Zunächst fragen wir sie mal, wie sie diese Kriterien gewährleisten könnten? Und dann schicken wir Kollegen, die sich das vor Ort anschauen. Wenn die das eine oder andere nicht für in Ordnung halten, streichen wir den Lieferanten aber nicht gleich von der Liste, sondern beraten ihn. Dann hat er eine bestimmte Zeitspanne, um den Missstand zu korrigieren. Danach kommen wir wieder.
Ulrich Glauber: Welche Fehler der Vergangenheit bereuen Sie am meisten?
Ulrich von Deessen: Die Hypothek früherer Fehler schwingt in der Chemieindustrie immer noch mit - auch bei der BASF. Und der Kredit, den wir uns mit mehr Offenheit und Verantwortlichkeit aufgebaut haben, ist leicht verspielt. Es gibt das alte deutsche Sprichwort: Ehrlichkeit währt am längsten. Wenn man sich nach diesen Prinzipien richtet, haben wir die Chance, unsere „Altlasten“ in der öffentlichen Wahrnehmung loszuwerden.
Der Chemiker Ulrich von Deessen (52) ist Leiter des Stabes des Vorstandsvorsitzenden der BASF SE und seit diesem Jahr der erste Klimaschutzbeauftragte des Unternehmens. Von 1998 bis 2003 leitete er die Produktion von BASF Antwerpen. Zuvor war er Leiter der Forschung Feinchemie.
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