Trügerische Idylle

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Geschrieben von: Martin Arnold, Posen 11.12.08
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Posen – Die Schweiz fällt in der Klimapolitik im internationalen Vergleich zurück. Am Rande der Klimakonferenz im polnischen Posen (Poznan) veröffentlichte die deutsche Umweltorganisation Germanwatch ihren vierten Klimabericht. Im Klimaschutzindex hat die Schweiz sechs Plätze verloren.

Patrick Hofstetter, Verantwortlicher für Klima und Energie beim WWF Schweiz, ist wenig überrascht: „Die Schweiz wurde für ihre zurückhaltende Klimapolitik bestraft. Sie hätte die CO2-Abgabe auf Brennstoffe früher einführen müssen und auch eine Reduktionspolitik beim Treibstoffverbrauch entwickeln sollen. “ Ausserdem, so Hofstetter, seien die Impulse der Schweiz auf die Klimaverhandlungen gering geworden. Der Vorschlag einer weltweiten CO2-Reduktion sei zwar nicht vom Tisch, werde aber doch als eher unrealistisch eingestuft.

Keine Medaille für Klimaschutz

Ein vorbildliches Land gibt es nicht mehr. Jan Burck von Germanwatch, das gemeinsam mit dem Climate Action Network Europe (CAN) das Länderranking erstellt hat: „An der Olympiade gibt es immer jemanden, der die Goldmedaille, einen der die Silbermedaille und einen Dritten, der die Bronzemedaille verdient. Wenn es um den Klimaschutz geht, hat kein Land eine Medaille verdient.“ An vierter Stelle steht deshalb Schweden, das sich zwar nicht als Klima-Weltmeister, aber doch als umweltfreundliche Nation mit entsprechender Politik sehen darf. An fünfter Stelle steht wie im vergangenen Jahr Deutschland, auf Platz sechzehn die Schweiz. Noch vor einem Jahr stand die Schweiz auf Platz zehn. Noch vor der Schweiz liegen Länder wie Frankreich, Indien, Brasilien, Mexiko oder Portugal. Sie alle, ausser Brasilien, haben sich durch eine umweltfreundliche Politik ihre Plätze verdient. Brasilien hat sich den achten Platz geholt, weil es pro Kopf wenig CO2 ausstösst. Das liegt nicht zuletzt am hohen Ethanolanteil beim Treibstoff. Weil aber deswegen auch Urwälder brennen, wird Brasiliens Umweltpolitik als extrem schlecht eingestuft. Noch dürftiger ist die Umweltpolitik nur noch in den USA, Kanada und Saudi-Arabien. Sie bilden das Schlusslicht. Zum dreckigen Dutzend, also zu den umweltfeindlichsten der 57 bewerteten Länder gehören auch China, Österreich und Russland.

Ölheizungen führen zur Abwertung

Am Klimaindex arbeiten über 100 Wissenschaftler und Klimaexperten, die in CAN, einem Netzwerk von Nicht-Regierungsorganisationen, zusammengeschlossen sind. In den von ihnen verfassten Länderberichten wird die Entwicklung eines Landes beim Kohlendioxidausstoss mit 50 Prozent, das Emissions-Niveau mit 30 und die Klimapolitik mit 20 Prozent bewertet. Als Land ohne Kohlenkraftwerke hat die Schweiz beim Pro-Kopf-Ausstoss von CO2 dank der Wasserkraft und der Atomenergie einen Startvorsprung. „Der wird aber preisgegeben, weil die Schweiz beim Heizen und beim Fahrzeugverbrauch schlecht dasteht“, erklärt Hofstetter. Weil die Schweiz eigentlich einen tiefen Energieverbrauch habe, besitze sie deshalb das Potential für einen Spitzenplatz fährt Hofstetter fort. Denn beim CO2-Ausstoss von Fahrzeugen und beim Heizölverbrauch gebe es noch ein grosses Steigerungspotential. Schliesslich gebe es in keinem Land so viele Ölheizungen.
Der WWF fordert nun eine Erhöhung des Benzinpreises um 30 und des Dieselpreises um 10 Rappen auf das Niveau der Nachbarstaaten – auch um den Benzintourismus unattraktiver zu machen. Von noch höheren Treibstoffpreisen hält Hofstetter allerdings wenig: „Dann würden die Schweizer ins Ausland fahren, um dort zu tanken.“ Weiter fordert der WWF eine jährliche Steigerung der Brennstoffabgabe bis 2012 um 12 Franken pro Tonne. „Wir sollten nicht warten, bis wir wissen, ob die Erhöhung Wirkung zeigt und weniger verbraucht wird. Die Wirtschaft braucht Planungssicherheit. Und wer jetzt schon weiss: Es wird jedes Jahr teurer, trifft schneller Entscheidungen, die zu einer CO2-Einsparung führen.“

 

Mehr Informationen zum Klimaschutzindex: www.germanwatch.org/ksi

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