Den Wasserverbrauch messen

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Geschrieben von: Annegret Mathari, Genf 10.12.08
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Genf - Wasser wird zum Trinken, Kochen und Waschen gebraucht, aber auch zur Produktion von Lebensmitteln und Kleidern. Ein „Fussabdruck“ soll nun den Wasserverbrauch messen. Der in Genf ansässige World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) und weitere Organisationen starten am 16. Dezember in London das “Water Footprint Network”. Dieses Netzwerk soll zur führenden Plattform für den nachhaltigen Wasserverbrauch werden, sagt Anne-Leonore Boffi vom WBCSD.

Annegret Mathari: Der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) und sechs weitere Organisationen haben das Water Footprint Network geschaffen. Was beabsichtigt dieses Netzwerk?

Anne-Leonore Boffi: Der Wasser-Fussabdruck ist ein Indikator für den direkten und indirekten Wasserverbrauch von Konsumenten und Produzenten. Wasser wird zum Trinken, Kochen und Waschen gebraucht, aber auch zur Herstellung von Lebensmitteln, Papier, Baumwolle und Kleidern. Für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch beispielsweise werden 16000 Liter Wasser benötigt, für eine Tasse Kaffee 140 Liter. Es gibt auch nationale Wasser-Fussabdrücke. So umfasst jener Chinas etwa 700 Kubikmeter Wasser pro Kopf und Jahr und jener der USA 2500 Kubikmeter pro Kopf und Jahr. Der Ansatz kommt aus der akademischen Welt, das Ziel ist es, ihn nun zu testen. Entwickelt wurde das Konzept des Wasser-Fussabdrucks von Professor Atjen Hoekstra von der Universität Twente in den Niederlanden. Er ist auch der wissenschaftliche Direktor des Netzwerks. Wir hoffen, dass das Netzwerk DIE Plattform sein wird für einen besseren Umgang mit Wasser.
Das Netzwerk ist offen für alle, die sich mit Wassermanagement befassen. Das können akademische Institutionen, Regierungsorganisationen, NGO, Unternehmen oder Uno-Organisationen sein. Das übergeordnete Ziel ist es, einen gemeinsamen Ansatz zu entwickeln. Interessant ist auch die Frage, welche Auswirkungen dieses Konzept in Zukunft für den internationalen Handel haben wird. Denn dies wird bisher in Handelsabkommen überhaupt nicht in Betracht gezogen.

Annegret Mathari: Weshalb braucht es einen Wasser-Fussabdruck?

Anne-Leonore Boffi: Es gibt weltweit eine zunehmende Wasserknappheit. Und die Erwartungen an Unternehmen wachsen, dass sie beweisen, Wasser auf nachhaltige Weise zu verwenden. Was bisher fehlt, ist eine Definition, was ein nachhaltiger Umgang mit Wasser ist. Wir denken, einen Fussabdruck einzuführen, wird den Firmen helfen, dies besser zu verstehen.

Annegret Mathari: Welche Indikatoren sollen berücksichtigt werden?

Anne-Leonore Boffi: Die Qualität des Wassers vor und nach dem Verbrauch. Weiter geht es darum, ob der Wasserverbrauch umwelt- und sozialverträglich ist. Dazu zählen die Auswirkungen des Wasserverbrauchs auf ein Flussbett oder eine Wasserscheide. Die Auswirkungen sind auch unterschiedlich, je nachdem in welcher Saison das Wasser benutzt wird, ob in der Trockenperiode oder der Regenzeit. Die Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle und die Auswirkungen des Wasserverbrauchs auf die Menschen, die an einem Gewässer leben. Es braucht immer eine bestimmte Wassermenge in einem Produktionsprozess. Ähnlich wie beim Energieverbrauch und der CO2-Debatte geht es weiter darum, wie ein bestimmter Wasserverbrauch ausgeglichen werden kann.

Annegret Mathari: Wo steht die Diskussion zurzeit?

Anne-Leonore Boffi: Einige Firmen investieren beispielsweise in Projekte, die Bauern ermöglichen, weniger Wasser für die Landwirtschaft zu benötigen, etwa mit dem Einsatz von Tröpfelbewässerung. Die Frage ist, ob man den eigenen Wasserverbrauch ausgleichen kann, indem man in solche Projekte investiert. Soll dies beispielsweise zwingend in derselben Region vorgenommen werden oder nicht? Das wird zurzeit diskutiert. Das Netzwerk wird die verschiedenen Schritte umfassen. Zuerst muss festgestellt werden, welchen Wasserverbrauch, also welchen Wasser-Fussabdruck man hat. Dann geht es darum, die Auswirkungen davon auf die Umwelt zu evaluieren, einschliesslich der sozialen Umwelt, und schliesslich, welche Antworten man auf diese Auswirkungen hat. Es ist ein umfassender Ansatz. Deshalb denken wir, dass es die Plattform voranbringen wird. Es wird wohl einige Jahre dauern, bis die Indikatoren für den Wasser-Fussabdruck erarbeitet und von allen Beteiligten, also Unternehmen, Regierungen, internationale Organisationen sowie NGO, anerkannt sind. Der WBCSD verfügt dabei über einige Erfahrung, er war massgeblich beteiligt an der Entwicklung eines Treibhausgas-Protokolls. Es dauerte mehr als fünf Jahre, bis es zu dem entscheidenden Mittel wurde, das es heute ist.

Annegret Mathari: Was ist heute die Rolle des WBCSD?

Anne-Leonore Boffi: Unsere Rolle ist es zurzeit, die Teilnahme von Unternehmen an dem Netzwerk zu fördern. Es geht darum, bei den Firmen das Bewusstsein für den Umgang mit Wasser zu fördern. Es soll jedoch nicht einfach ein weiterer Fragebogen werden. Zahlreiche Unternehmen messen schon so viele Dinge und beantworten schon viele verschiedene Fragen. Zurzeit soll eine Standardisierung des Wasser-Fussabdrucks geschaffen werden, die der WBCSD unterstützt. Unternehmen, die sich bereits stark mit der Frage des Wasserverbrauchs auseinandersetzen sind meist grosse Wasserverbraucher wie Lebensmittel- und Getränkehersteller sowie die grossen Unternehmen in der Landwirtschaft. Vertrauen schaffen ist auch ein Wert des Netzwerks. Wenn die Unternehmen alle den Wasserverbrauch mit einem gemeinsamen, glaubwürdigen Instrument messen, der von den verschiedenen Parteien entwickelt wurde, sind sie bei den Konsumenten vertrauenswürdiger.


Anne-Leonore Boffi ist beim World Business Council for Sustainable Development in Genf Projektleiterin für das Water Footprint Network. Die andern Gründungspartner des Netzwerks sind die Universität Twente, der WWF, das UNESCO-IHE Institute of Water Education, die Water Neutral Foundation, die International Finance Corporation – ein Teil der Weltbankgruppe- und das Netherlands Water Partnership.

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