London - Sir Paul McCartney plädiert für Fleischverzicht zur Reduzierung von Treibhausgasen. Der Star-Musiker appelliert zusammen mit Nobelpreisträger Pachauri in einem offenen Brief an die Welt, weniger Fleisch zu verzehren. Denn die Fleischindustrie trage wesentlich zum Klimawandel bei. Statt Musik gibt es handfeste Argumente.
Klimawandel ist in aller Munde. Das können vor allem Fleischverzehrer wörtlich nehmen. Denn die Viehwirtschaft ist mit Abstand der größte Erzeuger von schädlichen Treibhausgasen. Sie stellt sogar die Transportindustrie in den Schatten. Das Thema liegt Ex-Beatle Sir Paul McCartney - seit über 30 Jahren Vegetarier - besonders am Herzen. In einem offenen Brief an den britischen „Independent” rief er mit dem indischen Nobelpreisträger Rajendra Pachauri zum Fleischverzicht auf. Kein Fleisch oder zumindest Rindfleisch zu essen, sei „der wirksamste Schritt für jeden Einzelnen, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.” Fleisch wirft lange Schatten Rajendra Pachauri ist der Vorsitzende des UN-Klimarats IPCC. Im vergangenen Jahr teilte er sich den Friedensnobelpreis mit Al Gore für seine Klimaschutzarbeit. Der Vegetarier setzt sich bereits seit Jahren für Fleischverzicht als Mittel gegen die Erderwärmung ein. In Sir Paul McCartney hat er jetzt einen gewichtigen Partner gefunden, der diese Botschaft wirksam unterstützen kann. Der Musiker und Wissenschaftler Pachauri sind sich einig, dass der wachsende Fleischkonsum weltweit für die zunehmende Erderwärmung verantwortlich ist. Die Autoren berufen sich auf sichere Quellen. Laut einer Studie der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen, „Der Lange Schatten des Viehs”, erzeugen 1,5 Milliarden Rinder, 1,7 Milliarden Schafe und Ziegen sowie unzählige Schweine und Hühner 18 Prozent der weltweit freigesetzten Treibhausgase. Die Transportindustrie ist für 13 Prozent verantwortlich. Brandrodungen, Überweidung und Erosion, Wasserverschmutzung und ein hoher Einsatz von Pestiziden fügen der Umwelt ebenfalls großen Schaden zu. Nahrungsengpässe durch Viehzucht McCartney und Pachauri wiesen daraufhin, dass der zunehmende Reichtum in Schwellenländer zu einem höheren Fleischkonsum führt. Kein Bereich der Landwirtschaft wächst so schnell wie die Viehzucht. Mit verheerenden Folgen für die Ärmsten. So erklärten die Autoren, „Unglücklicherweise wird durch den vermehrten Anbau von Viehfutter weniger Getreide für den menschlichen Verzehr angebaut.” In Nordamerika und Westeuropa werde bereits 60 Prozent des Ackerlands für Viehfutteranbau genutzt. Ein Bericht der UNO zeigte bereits 2006, dass 70 Prozent der Regenwälder des Amazonas für Viehzucht genutzt werden. Damit nimmt die Fleischproduktion weltweit 30 Prozent der gesamten Landerdoberfläche ein. „Wir schreiben diesen Brief nicht aus emotionalen Gründen oder weil vegetarisch essen modisch ist, sondern weil (Fleischverzicht) eine sehr attraktive Möglichkeit bietet, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, das Klima zu stabilisieren und das Nahrungsmittelangebot weltweit zu sichern.”, erklären Sir McCartney und der Nobelpreisträger. Viele Menschen fragen sich, was sie für den Klimaschutz tun können. Lichter ausschalten, mehr öffentliche Verkehrsmittel nutzen, weniger heizen sind lauter Optionen, die jedem einleuchten. Jetzt ist das geliebte Steak dran. Dabei gilt Fleisch für viele Kulturen als Zeichen von Wohlstand. Wenn man den Experten glauben schenkt, ist es ein Luxus, den sich die Welt bald nicht mehr leisten kann. Bild: Martin Arnold
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