Zukunft trotz Erdbeben

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Geschrieben von: Claudia Rindt, St. Gallen 03.12.08
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Vor zwei Jahren beendeten Erdbeben das Geothermie-Kraftwerkprojekt in Basel. Kathy Riklin, Zürcher CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung für Geothermie, sieht wenig Chancen für eine Fortsetzung des Basler Projekts, aber eine grosse Zukunft für die Geothermie. Diese könnte 5 Prozent des Strombedarfs der Schweiz decken.

Claudia Rindt: In Basel liegt der Versuch, Wärme aus bis zu 5000 Metern Tiefe im grossen Stil für die Stromerzeugung zu nutzen, vorerst auf Eis. Sehen Sie noch eine Zukunft für diese Technik in der Schweiz?

Kathy Riklin: Das war ein harter Rückschlag. Die Beben wären nicht so schlimm gewesen, wenn die Bevölkerung vorgewarnt gewesen wäre, dass es sie geben kann. Ich glaube, in den nächsten Jahren passiert in der Tiefengeothermie wenig. Sie ist sehr teuer. Bis 2006 wurden in Basel 53 Millionen Franken ausgegeben. Insgesamt waren - ohne Kraftwerk - Kosten in der Höhe von 80 Millionen Franken veranschlagt. Möglicherweise verlagert sich das Interesse nun weg vom Hot-Dry-Rock-Verfahren, bei dem wie in Basel in grosse Tiefe gebohrt und schliesslich der Fels im Untergrund mittels eingepresstem Wasser zerklüftet wird, um einen genügend grossen Wärmeaustauscher zu erzeugen. Einfacher und erfolgsversprechender ist es, gleich tief im Untergrund auftretende Grundwasservorkommen zu nutzen. Die Forschung sollte weiter vorangetrieben werden. Es gibt Projekte im Kanton Wallis in Lavey-les-Bains und Brigerbad. Ich hoffe sehr, dass im Bundesbudget 2009 dafür Forschungsgelder in der Höhe von vier bis fünf Millionen Franken eingestellt werden. Wir brauchen Gelder für genauere Abklärungen und ein Pilotprojekt.

Claudia Rindt: Erwarten Sie, dass das Basler Erdwärmekraftwerk je verwirklicht wird?

Kathy Riklin: Nun müssen ja erst einmal die Ergebnisse der für 1,2 Millionen Franken beauftragten Risikoanalyse vorliegen. Das wird bestimmt noch zwei Jahre dauern. Ich bezweifle aber, dass die Basler den Mut haben, das Projekt fortzusetzen, selbst wenn die Gutachter keine Bedenken hätten. Grundsätzlich ist Basel geologisch nicht ideal und zudem belastet durch das dramatische Erdbeben von 1356. Hätten wir die freie Wahl gehabt, wäre Basel für die Tiefenbohrungen kaum gewählt worden. Aber im Kanton Basel-Stadt stand aus der 5-prozentigen Förderabgabe auf Strom relativ viel Kapital zur Verfügung. Daher wurde dieser Standort gewählt.

Claudia Rindt: Hat die Geothermie als alternative Energiequelle nach dem Stopp des Grossprojekts in Basel überhaupt noch Vertrauen?

Kathy Riklin: Ja. Durch die Diskussionen um Basel hat die Geothermie den höchst möglichen Bekanntheitsgrad erlangt. Und wer sich auskennt, weiss auch zu unterscheiden zwischen den noch nicht ausgereiften Nutzungsarten wie dem HDR-Verfahren und den bewährten wie dem Einsatz von Wärmepumpen. Erdwärme ist eine ideale Energiequelle, sie ist gratis und steht rund um die Uhr zur Verfügung, anders als die Sonne und der Wind. In absehbarer Zeit ist keine Abkühlung der Erde zu erwarten.

Claudia Rindt: Im Elsass ist ein Erdwärme-Projekt zur Stromerzeugung besser vorangekommen als in Basel. Warum?

Kathy Riklin: Im Elsass wird unter ganz anderen Bedingungen gearbeitet. Das ist ein wissenschaftliches Forschungsprojekt, das wegen Finanzknappheit sehr langsam vorankam und nun endlich etwas Strom erzeugt.

Claudia Rindt: Welche Rolle wird die Geothermie künftig unter den alternativen Energiequellen in der Schweiz einnehmen?

Kathy Riklin: Es gibt die Vision, dass sich zehn Prozent des Stroms durch Erdwärme erzeugen lässt. Das ist sehr optimistisch. Ich wäre auch zufrieden, wenn wir fünf Prozent erreichen. Erdwärme für die Stromproduktion zu nutzen, ist ein harter Weg, aber er ist begehbar. Es braucht nur noch ein wenig Zeit und Gelder für Pilotprojekte.


Zur Person:

Die Zürcherin Kathy Riklin, Jahrgang 1952, ist Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung für Geothermie. Die promovierte Geologin arbeitet hauptberuflich als Gymnasiallehrerin. Seit 1999 gehört sie für die CVP dem Nationalrat an.

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