Tim Bauers Leidenschaft ist die Bekämpfung der Luftverschmutzung. Seine Entwicklung für eine bessere Verbrennung bei den Zweitaktmotoren der asiatischen Motorradtaxis führt zu einer Verringerung des Ausstosses von Kohlendioxid von 35 Prozent. Nun hat er den Rolex-Preis für Unternehmensgeist erhalten.
Wenn Tim Bauer versucht, die Bedeutung seiner Entwicklung einzubetten, zitiert er gerne eine Weltbankstudie über die Millionen von Motorrikschafahrern in Bangladesch. „Sie können durchschnittlich eine Woche pro Monat nicht arbeiten, weil sie krank sind. Ihre Atemwege sind von den Abgasen beschädigt, die sie während ihrer langen Arbeitstage im Strassenverkehr einatmen.“ Zweitakter machen krank Mit anderen Worten: Die Rikschafahrer sind Opfer der schlechten Verbrennung ihrer eigenen Zweitaktmotoren. Das Problem: Während der Abwärtsbewegung des Kolbens sind für einen kurzen Zeitraum das Auslassventil, durch das die Abgase ausgestossen werden, und das Einlassventil für Öl und Kraftstoffe gleichzeitig geöffnet. Dadurch vermischt sich ein Teil des Kraftstoffes mit den Abgasen und wird unverbrannt an die Umwelt abgegeben. Der Maschinenbauingenieur Tim Bauer aus Fort Collins im amerikanischen Bundesstaat Colorado störte schon lange die schlechte Verbrennung der Zweitaktmotoren, die das Atmen in Dutzenden von asiatischen Grossstädten erschwert. Im Nationalpark Yellowstone verwandelte er deshalb einen Motorschlitten in einen Prototypen um, und erreichte eine deutliche Verbesserung der Verbrennung. Ein Vertreter der Schweizer Entwicklungsorganisation Swisscontact lud Bauer daraufhin ein, an den zweitaktbetriebenen Motorrädern auf den Philippinen die Umrüstung grossflächig in der Praxis umzusetzen. Tim Bauer ist Swisscontact dankbar: „Sie öffneten mir die notwendigen Türen.“ Umrüstung innert Stunden Vor fünf Jahren begann er in den nördlich von Manila gelegenen Städten Vigan und Puerto Princesa im kleinen Rahmen mit dem Umrüsten der Motorradtaxis. Bis heute hat er schon 400 dieser Vehikel mit angeschweisstem Passagierwagen in umweltfreundlichere Fahrzeuge verwandelt. Das Umrüstset besteht aus 25 Teilen und kann ohne Erfahrung in sechs Stunden und mit Routine in zweieinhalb Stunden eingebaut werden. Einmal in Betrieb wird das Benzin-Öl-Gemisch erst vom Zylinder angesaugt, wenn das Aussenventil verschlossen ist. Das Ergebnis: Der Ausstoss von Feinstaub verringert sich um 70, jener von Kohlenmonoxid um 76, von Kohlenwasserstoff um 89 und von Kohlendioxid um 35 Prozent. Zudem freut sich auch der Geldbeutel der Fahrer. Tim Bauer: „Der Ölverbrauch sinkt um 50, der Benzinverbrauch um 35 Prozent. Damit sparen die Fahrer 1000 Dollar pro Jahr. Das verdoppelt ihr Einkommen.“ Wenn der Amerikaner diese Einsparung mit einem Fahrzeug demonstriert, das den ganzen Tag im Verkehr war, sind sie überzeugt. Die Investitionen von 350 Dollar amortisieren sie schnell. Dank einer Zusammenarbeit mit einer Bank die im Kleinstkreditsektor tätig ist, können die meist mittellosen Tricyclefahrer schnell mit der Umrüstung beginnen. Die Bestandteile für das Umrüstset sind auf die gängigen Marken Yamaha, Kawasaki, und den indischen Motorradhersteller Bajaj abgestimmt. Rolex-Preisgeld für Vermarktung eingesetzt Auf einem Zylinderkopf präsentiert der Amerikaner das Herzstück seiner Entwicklung: Die Einspritzung – ein kleines Plastikteil des deutschen Technologiekonzerns Siemens. Tim Bauer: „Falls es defekt sein sollte, ist es leicht ersetzbar.“ Die restlichen Teile sind aus Metall und robust, wie es asiatischen Rikschas nun mal sind, die auch nach dreissig Jahren noch über Strassen mit Schlaglöchern fahren. Ausserdem – so Bauer – würde die Funktionstauglichkeit des Umrüstsets ein Jahr lang garantiert. Dies sei in Asien unüblich. Tim Bauer möchte nun das Preisgeld von Rolex für die weitere Vermarktung seines Umrüstsets zuerst auf den Philippinen und später auf dem asiatischen Markt nutzen. Er selber beschäftigt sich als Ingenieur mit der ständigen Weiterentwicklung seiner neuen Direkteinspritzung. Den Verkauf des Umrüstsets wickelt er über die gemeinnützige Gesellschaft Envirofit ab, die inzwischen auch eine Reparaturanleitung in der Hauptsprache Tagalog herausgegeben hat. In ganz Asien gibt es 100 Millionen Rikschas in den Ballungszentren von New-Delhi bis Manila. Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation sterben dort jährlich 537'000 Menschen an Atemwegserkrankungen – Grund genug mit Abgasverminderung bei den Zweitaktmotoren vorwärts zu machen. Tim Bauer ist optimistisch: „Der Rolex-Preis verbessert die Glaubwürdigkeit des Projektes und wird uns helfen, neue Türen zu öffnen.“ Saubere Luft im Haushalt Bei seinen sauberen Rikschas bleibt Bauer nicht stehen. Er ist bereits ein anderes Problem angegangen: Fast die Hälfte der Menschheit kocht zu Hause traditionell mit Holz. Nicht selten fehlt ein wirksamer Luftabzug. Die Wände der bescheidenen Lehmhütten von Indonesien über Guatemala bis Kenia sind russgeschwärzt. Luftverschmutzung im Haushalt fordert weltweit jährlich eineinhalb Millionen Menschenleben. Betroffen sind vor allem Frauen und Kinder. Tim Bauer hat mit Wissenschaftlern und Ingenieuren einen Kocher entwickelt, der zwar mit Biomasse, also auch Holz betrieben wird, aber die Luftverschmutzung um 80 Prozent senkt. Der von Wissenschaftlern und Ingenieuren neue Kocher erhöht die Energieeffizienz markant, sodass 50 Prozent weniger Energie für die gleiche Kochleistung benötigt wird. Die Kochzeit von Nahrungsmittel verkürzt sich um durchschnittlich vierzig Prozent. Heute stehen fünf Modelle zwischen 500 und 2000 Euro zur Verfügung. Envirofit verkauft nun den neuen Kocher vor allem in Südindien. Weltweit gehört die Luftverschmutzung im Haushalt zu den wichtigsten Gesundheitsbelastungen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt dass die Luftbelastung in ländlichen Haushalten sechs Mal höher ist als in New Delhi.
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