Brüssel – Mit Umweltschutz können Einsparungen erzielt werden, sagt Klaus Hieronymi, Umweltmanager bei Hewlett Packard. Doch oft sei das Thema Energieersparnis so komplex, dass es mehr Bewusstseinsbildung brauchte.
Caroline Ausserer: Was sind die treibenden Kräfte für ein nachhaltiges Produzieren? Klaus Hieronymi: Zunächst war es sicherlich die Gesetzgebung. Später hat sich ein Bewusstsein zur sozialen Umweltverantwortung entwickelt, das heisst ein Verständnis, dass wir alle Teil dieser Welt sind und uns um sie kümmern müssen. Mittlerweile erkennen wir auch, dass wir durch Umweltschutz Einsparungen erzielen sowie neue Geschäftsfelder eröffnen können. Caroline Ausserer: Inwiefern? Klaus Hieronymi: Ein Beispiel: Videokonferenzen. Wir haben sie vor einem Jahr bei uns eingesetzt und nun Vergleiche zwischen den Niederlassungen angestellt. Heute können wir sagen, dass wir etwa 15 Prozent der Reisen dadurch einsparen. Caroline Ausserer: Um auf die Produkte zu sprechen zu kommen: Wie produziert HP nachhaltig? Klaus Hieronymi: Mit neuen Geschäftsfeldern revolutionieren wir einen Markt, zum Beispiel indem wir vom normalen Offset-Druck zum Digitaldruck gehen. Nun kann man exakt die Anzahl der Broschüren produzieren, die man braucht, während man zuvor oft mehr produziert hat. Caroline Ausserer: Für den einzelnen Konsumenten ändert das nicht viel... Klaus Hieronymi: Doch, auch ein kleines Unternehmen kann sich günstige Druckereien aussuchen. Wenn ich nun meinem Management zeigen kann, es gibt a) Kosteneinsparungen und b) ich kann neue Märkte erschliessen, dann bin ich auf einmal auf der Gewinnerseite und kann damit schnell überzeugen. Caroline Ausserer: Für diese neuen Märkte braucht man aber auch Abnehmer. Wie öffnet sich HP die Märkte? Klaus Hieronymi: Indem wir unseren Kunden unsere Erfahrungen mitteilen, beispielsweise mit der Videokonferenz. Wir sagen ihnen, wie viel sie damit einsparen würden, nicht nur an Geld, sondern auch an Kohlendioxid. Da sind wir im Moment dabei, das genau auszurechnen, das ist noch nicht klar. Caroline Ausserer: Kann ein Konsument also diese Information in Zukunft bei einem Produkt finden? Klaus Hieronymi: Unser Haupt-Konsument ist das kommerzielle Unternehmen, dort versteht man das eher. Problematisch ist der einzelne Konsument. Beispiel Waschmaschine: Da kann ich nur darauf hinweisen, dass es sich immer auszahlt, jene mit dem geringsten Energiebedarf zu kaufen, also diejenige mit A+. Problematisch wird es, wenn es sich um Geräte handelt, die sehr wenig Strom verbrauchen, wie ein Computer. Dann nehmen Sie lieber den, der Ihnen dem Design nach besser gefällt, obwohl er ein bisschen mehr Strom braucht. Für uns Hersteller stellt sich dann die Frage, investieren wir besser in Ästhetik oder in die Umwelt. Caroline Ausserer: Welche Wahl trifft HP? Klaus Hieronymi: Beim kommerziellen Teil ist ganz klar der Umweltbereich wichtiger. Beim einzelnen Konsumenten müssen wir immer wieder Kompromisse machen. Aber auch da gibt es von der EU mehr Druck auf die Umweltseite. Ein anderer Punkt ist, dass es manchmal sehr komplex sein kann, die richtige Entscheidung zu treffen. Bei einem Drucker beispielsweise ist für über 60 Prozent der Treibhausgasemissionen das Papier verantwortlich. Nun könnten wir sagen, damit sind wir Druckerhersteller fein raus und kümmern uns nicht um das. Doch wir wollen ja etwas tun. Wir könnten mehr in doppelseitiges Drucken investieren, damit gibt es eine wesentlich grössere Energieersparnis. Doch das Gerät braucht dann mehr Standby-Energie. Wir wissen aber, dass der Kunde vor einem Regal etwa in 40 Sekunden eine Kaufentscheidung trifft. In dieser kurzen Zeit ist es schier unmöglich, all dies zu vermitteln. Caroline Ausserer: Ist also mehr Bewusstseinsbildung notwendig? Klaus Hieronymi: Sicherlich, aber nicht nur das. Das Problem ist, dass es oft keine eindeutige Antwort gibt. Zum Beispiel bei einer Lebenszyklusanalyse ist oft nicht klar, welche Annahmen getroffen werden müssen. Besonders wichtig ist es, den gesamten Energiezyklus zu betrachten und nicht nur einzelne Teile daraus. Das ist aber schwierig zu vermitteln. Caroline Ausserer: Produziert HP umweltgerecht? Klaus Hieronymi: Wir tun unser Bestes, und manchmal mehr, als der Kunde und der Wettbewerb verlangen. Wir wollen aber noch besser werden. Wir konzentrieren uns derzeit auf vier Bereiche: erstens Materialien und Substanzen, zweitens die Rücknahme, drittens das Klima und die Energie, viertens die Zulieferer. Der nächste Schritt ist, dass wir die Emissionen unserer Lieferanten publizieren. Das macht bislang noch niemand. Caroline Ausserer: Was sind die nächsten Herausforderungen? Klaus Hieronymi: Die Themen Klima und Energieverbrauch werden auch in Zukunft wichtig bleiben. Uns interessiert dabei, wie kann IT helfen, andere Prozesse zu ersetzen und zu optimieren. Beispiel: Airbus 380 hat keine Bordmagazine mehr, alles wird ins Bordsystem integriert. Dadurch fallen pro Flug 700 kg Papier weg, das entspricht etwa fünf Passagieren und ist eine grosse Einsparung. Das HP-Forschungslabor ist zur Zeit auch dabei, neue Übertragungsmöglichkeiten zu entwickeln. Statt Kupferleitungen sollen in Zukunft Laserstrahlen im Rechner verwendet werden. Innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahren soll dadurch die Energie eines Rechenzentrums von 100 auf 25 Prozent reduziert werden. Zur Person: Klaus Hieronymi ist seit seinem Abschluss in Naturwissenschaften und Business Management (in Deutschland, Österreich und Südafrika) im Jahr 1983 bei Hewlett-Packard tätig. Seit 1998 leitet er das HP-Umweltmanagementteam und ist als Umweltmanager für Europa, den Nahen Osten und Afrika zuständig.
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