Spanien ist die Nummer zwei auf dem weltweiten Solar-Markt. Neue Regulierungen bremsen allerdings den Boom der Branche. Die Industrie stört neben der geringeren Vergütung vor allem die Begrenzung der Förderung. Bis zu 40.000 Arbeitsplätze könnten in Gefahr sein.
Nach den Banken die erneuerbare Energie: Platzt nun auch die Solar-Blase, fragte sich unlängst eine spanische Regionalzeitung angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten. Die Besorgnis rührt von den Signalen her, die die spanische Regierung aussendet. Zu Monatsbeginn wurde ein neues königliches Dekret zur Solarenergie-Förderung erlassen, das geringere Einspeisungsvergütungen und Deckelung des Ausbaus vorsieht. Die Branche reagiert verärgert. Nur 1500 Megawatt für drei Jahre Die Branchenverbände AEF und ASIF befürchten desolate Auswirkungen. 40 000 Arbeitsplätze seien in Gefahr. Nach zähen Verhandlungen lenkte die Regierung in letzter Minute ein. Hauptstreitpunkt war nicht die drastische Reduzierung der Einspeisevergütung. Was die Unternehmer in Rage brachte war die Förderungsdeckelung, die schließlich auf 1500 Megawatt für die nächsten drei Jahre festgezurrt wurde. Grund zur Klage besteht auf den ersten Blick eigentlich nicht. In den letzten anderthalb Jahren explodierte der spanische Solarstrommarkt regelrecht. Nach Angaben des Industrieministeriums wurden allein in diesem Jahr Kapazitäten von 1300 Megawatt aufgebaut. In den vorhergehenden Jahren waren es zusammengerechnet nur 400 Megawatt. Grund dafür war der Erlass des vorigen Industrieministers Joan Clos, der den Betreibern auf 25 Jahre eine Einspeisevergütung von rund 45 Cent je Kilowatt erzeugten Stroms garantierte. Damit lag Spanien im internationalen Vergleich deutlich an der Spitze und es reichte, um internationale Unternehmen ins Land zu locken. Auch die deutschen Riesen, angeführt von SolarWorld und Q-Cells expandierten kräftig auf der iberischen Halbinsel. Der spanische Markt stieg zur Nummer zwei weltweit auf. Nur in Deutschland wird noch mehr Solarstrom produziert. Niedrigere Vergütung Doch die goldenen Zeiten sind nun vorbei. Ähnlich wie Deutschland beschloss auch Spanien eine Absenkung der Vergütung. Künftig bekommen Betreiber von Solaranlagen nur noch maximal 34 Cents für kleinere, bis 20 Kilowatt starke Installationen, oder 32 Cents bei höheren Energieleistungen. Da die Absenkung seit einiger Zeit kein Geheimnis mehr war, begann Anfang des Jahres ein regelrechtes Wettrennen der Solarunternehmen. Bis zum Stichtag, dem 29.September, sollten noch möglichst viele Anlagen ans Netz gebracht werden. Der spanische Staat zahlt nur bis zu einem bestimmten Kapazitätslimit, das bei 500 Megawatt pro Jahr liegt. Hinzu kommt ein kompliziertes Antragssystem, um an die lukrativen Tarife zu gelangen. Interessenten müssen ihre Anlagen und die jeweils erwartete Leistung in ein Register eintragen lassen. Sollte die Höchstgrenze für das Quartal bereits erreicht sein, rutscht das Projekt automatisch in das folgende Quartal. Der jeweilige Betreiber ist in dem Falle gezwungen, seine Planungen neu auszurichten. Abwanderung aus Spanien droht "Die Bürokratie ist hier in Spanien unmöglich geworden”, klagt Claudio Gisep, ein Schweizer Unternehmer, der sich zu Beginn des Booms in Barcelona niedergelassen hat. Seine Firma Enertecnia verwaltet komplette Projekte für Solarstrom-Investoren. “Wir wissen anfangs nicht, welche Einspeisevergütung der Kunde am Ende bekommt”, so Gisep. Denn diese kann je nach Anzahl der Anträge variieren. Außerdem müsse jeder Betreiber Garantiezahlungen leisten, selbst für kleinere Installationen. Erst im Oktober reiste SolarWorld-Chef Frank Asbeck zur Eröffnung des Solarparks Mérida in die Region Extremadura. Das 30 Megawatt-Projekt, von den Initiatoren stolz als größte Anlage ihrer Art bezeichnet, erstreckt sich auf einer Fläche, die 192 Fußballfeldern entspricht. SolarWorld ist mit einem Drittel beteiligt, die Deutsche Bank lieferte die Finanzierung. Der Versorger Endesa zahlt den Betreibern 43 Cents pro Kilowatt, denn das Werk wurde vor dem Stichtag fertig. Der chinesische Weltmarktführer Suntech beabsichtigte sogar, in derselben Region einen 100 Megawatt großen Park zu errichten. Die Pläne liegen wegen der regulatorischen Unsicherheiten auf Eis. Firmenchef Zhengrong Shi: “Wir sehen es als gefährlich an, wenn das Wachstum durch Höchstgrenzen gekappt wird. Um Kosten zu reduzieren, brauchen wir Volumen.” Suntech will im nächsten Jahr auf Deutschland und Italien setzen, ähnlich wie die amerikanische SunPower. Die überzähligen Module sollen nun im europäischen Ausland verkauft werden. Andere Vertreter der Zunft äußern sich vergleichbar. Investitionen werden eingefroren, Pläne reduziert. Nach dem Versiegen des Geldstroms im Sonnenland Spanien zieht ein Grossteil der Branche weiter, in andere Gefilde.
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