Basel - Die Logistik ist eine der grössten Branchen der Schweiz. Sie wächst doppelt so schnell wie die Gesamtwirtschaft. Mehr Logistik heisst nicht unbedingt mehr Verkehr. Die Branche setzt auf Nachhaltigkeit. Wolfgang Stölzle überbringt gute Botschaften. An der ersten Branchenmesse der Logistik- und Verpackungsunternehmen der Schweiz, der „Pack & Move“ in Basel, stellte der Leiter des Lehrstuhls für Logistikmanagement der Universität St. Gallen (HSG) am Dienstag die zweite grosse Studie zum Logistikmarkt Schweiz vor – und ermöglichte damit erstmals einen Vergleich mi den Vorjahreszahlen. Das Ergebnis: Der Logistikmarkt wächst mit 6,2 Prozent doppelt so schnell wie die Gesamtwirtschaft.
Zürich vorn, Aarau kommt Die Studie der HSG wurde gemeinsam mit dem Branchenverband GS1 erarbeitet, der 4400 Schweizer Unternehmen vertritt. Sie soll Licht in einen Wirtschaftszweig bringen, der bis vor kurzem nur wenig untersucht worden ist. Zu recht: Immerhin gehört der Logistikmarkt Schweiz mit einem Volumen von 34 Milliarden Franken (2007) zu den grössten des Landes. Und dabei werden nur die Transportleistungen einberechnet, die einen Bezug zur Schweiz haben. Die ausländische Geschäftstätigkeit international tätiger Unternehmen wie Kühne & Nagel in Schindellegi ZG ist nicht berücksichtigt. Wenig überraschend ist der Handel mit einem Anteil von 15 Prozent den grössten Anteil am Logistikmarkt, gefolgt von der Nahrungs- und Genussmittelindusrie mit 13 Prozent und dem Bau von 10 Prozent. Grösster Logistikstandort ist der Grossraum Zürich. Hier beschäftigen 337 Logistikunternehmen 12000 Mitarbeiter. An zweiter Stelle steht Basel mit 427 Unternehmen und 8800 Beschäftigten. Genf und Bern folgen. Im Mittelland bildet sich mit Aarau laut Stölzle ein „Geheimtipp“ des Logistikmarktes heraus. Auch im St. Galler Rheintal gibt es eine Konzentration von Logistikunternehmen. Nachhaltigkeit liegt im Trend Hohe Wachstumsraten in der Logistik bedeuten auch mehr Verantwortung der Branche für den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit. Stölzle relativiert aber: Mehr Logistik heisse nicht zwingend ebensoviel mehr Verkehr. Denn einerseits flösse auch die Lagerhaltung in die Logistik ein. Andererseits könnte ein Teil des Mehrverkehrs aufgefangen werden durch eine bessere Auslastung und bessere Routenplanung. Bisher sei der Verkehr selbst in der Studie zum Logistikmarkt Schweiz nicht gesondert ausgewiesen. In Zukunft werde seine Forschergruppe aber darauf achten, wo wie viel Verkehr erzeugt werde. Die zunehmende Aufmerksamkeit für die Umweltfolgen der Logistik sei jedenfalls einer der grossen Trends der Branche. Das habe auch mit den Kundenwünschen zu tun: Nachhaltigkeit werde für viele Auftraggeber zu einem wichtigen Argument. Die Verlagerung von Verkehr von der Strasse auf die Schiene werde dagegen vor allem von wirtschaftlichen Faktoren getrieben, kommt die Studie zum Schluss. Die Schiene sei vor allem auf längeren Strecken konkurrenzfähig. Gerade im Verkehr mit den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz, den vier Nachbarn, dominiert die Strasse mit einem Anteil von zwei Dritteln. Erst recht in der Feinverteilung der Güter hat die Strasse die Nase vorn. Staatsunternehmen an der Spitze Erstmals legt die Studie eine Rangliste der 100 grössten Logistikunternehmen vor. Die St. Galler Forschergruppe konnte dabei nur teilweise auf offizielle Zahlen zurückgreifen. Bei Unternehmen, die ihre Zahlen unter Verschluss halten, wurde auf Schätzungen zurückgegriffen. An der Spitze der Rangliste stehen Staatsunternehmen: Klare Nummer eins ist die Brieftochter der Post, Postmail, mit einem Umsatz von 3,0 Milliarden Franken (2007) und über 14000 Beschäftigten. Die Schwester Postlogistik kommt mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden und 5100 Beschäftigten auf den Platz zwei. SBB Cargo auf Platz vier macht mit 4000 Beschäftigten einen geschätzten Umsatz von 970 Millionen Franken. Die Lagerhäuser Centralschweiz sind mit einem Umsatz von 1,0 Milliarden Franken und 685 Beschäftigten die grösste private Logistiker. Der global tätige Riese Panalpina mit Sitz in Basel kommt in der Schweiz mit einem Umsatz von 515 Millionen nur auf Platz sechs. Profitable Abschottung Die HSG-Studie relativiert die Dominanz der Staatsunternehmen: Die Post konzentriere sich auf Post- und Briefdienste. Allerdings ist diese Dominanz auch eine Folge der langsamen Liberalisierung: Das Postmonopol fällt frühestens 2011. Die SBB hat trotz der Zusammenarbeit der BLS mit der Deutschen Bahn eine starke Stellung. Doch auch die privaten Transportunternehmen profitieren von der relativen Abschottung. Die Nichtmitgliedschaft in der EU hält die Konkurrenz aussenvor. Fuhrunternehmen aus der EU dürfen zwar gemäss dem bilateralen Landverkehrsabkommen durch die Schweiz fahren, nicht aber Güter aufnehmen. Die Marge sei in der Schweiz dementsprechend höher, sagt Stölzle. Der Vergleich mit Deutschland spricht dafür, dass es mit der Branche weiter bergauf geht: In der Schweiz ist der Anteil der Logistikleistungen, die innerhalb eines Unternehmens erbracht werden, vergleichsweise hoch. Viele Kunden zögern, die Logistikleistungen einzukaufen. Doch kämen sie mit dem richtigen Angebot, könnten Logistikunternehmen ihren Marktanteil ausbauen, sagt Stölzle. Dabei sollten sie sich entweder auf einzelne Produkte spezialisieren oder aber Gesamtlogistikangebote offerieren. Auch der Trend spricht für eine rosige Zukunft: In Zeiten hoher Energie- und Transportkosten werden zwar Produktionsstandorte an die Absatzmärkte verlegt. Damit müsse aber die Verteilung der Güter dezentralisiert werden – und das erhöht die Anforderungen an die Logistik. Die Verringerung der Umweltlasten und die Nachhaltigkeit generell gehören dazu. Bild: Postanlage Härkingen (Copyright Schweizerische Post)
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