Bern - Rund 3000 Betreiber von Solaranlagen schauen vorerst in die Röhre. Sie kommen nicht zum Zuge, wenn im kommenden Jahr die Einspeisung von grünem Strom ins allgemeine Netz vergütet wird. Linke fordern deshalb eine Erhöhung der Förderung. Das es in Deutschland bereits seit anderthalb Jahrzehnten gibt, wird in wenigen Wochen auch in der Schweiz Wirklichkeit: Wer mehr grünen Strom aus Wasser, Wind, Sonne, Biomasse oder Erdwärme produziert als er für den Eigenbedarf benötigt, kann diesen ins allgemeine Netz einspeisen. Dafür gibt es eine Vergütung, mit der die Anlage kostendeckend arbeiten kann. Diese Förderregelung tritt im Januar in Kraft.
Lange Warteliste Für die Betreiber von Anlagen, die aus Windkraft, Biomasse und Wasser Strom produzieren, brechen damit grüne Zeiten an. Anders bei den Betreibern von Solaranlagen: Nur für eine Minderheit der Bewerber mit Solaranlagen wird eine Einspeisevergütung erhalten. Denn auf dem Photovoltaik-Topf für Sonnenenergie liegen gleich mehrere Deckel. Aktuell stehen lediglich fünf Prozent der insgesamt 320 Millionen Franken für die Vergütung von Solarstrom zur Verfügung, also etwa 16 Millionen Franken. Dies gilt solange, wie die Produktionskosten einer Kilowattstunde mehr als 50 Pappen über dem Marktpreis liegen. Sinkt der Aufwand für die Produktion, soll die Ausschüttung für den Solarstrom aus dem Gesamttopf schrittweise erst auf 10, dann auf 20 Prozent erhöht werden. Über 80 Prozent der Bewerbungen um die Einspeisevergütung betrifft den Anteil für die Photovoltaik. Über 4000 Anlagen wurden angemeldet, aber nur rund 1200 haben positive Bescheide erhalten. Im Zweifelfall galt die Regelung: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Bei gleichem Anmeldedatum allerdings bekamen grössere Anlagen den Zuschlag. Wer auf der Warteliste steht, hat Chancen, über das Zubaukontingent für 2009 zum Zuge zu kommen. Die Zubaumenge werde voraussichtlich bei maximal fünf Megawatt liegen, stellt Matthieu Buchs fest, Sprecher des Bundesamts für Energie. Tipp: Weiter bewerben Der Schweizerische Fachverband für Solarenergie Swissolar rät Anlagenbetreibern, dennoch, sich weiter um die kostendeckende Einspeisevergütung zu bewerben. „Es ist wichtig, dass weiter Anträge gestellt werden”, sagt Matthias Leuenberger, Assistent der Geschäftsleitung. Nur so könne politisch Druck gemacht werden. Swissolar setzt sich dafür ein, dass mehr Betreiber zum Zuge kommen. Am besten wäre es, die Deckel zu heben, sagt Leuenberger. Die Belastungen für die Stromverbraucher, die die Einspeisevergütung tragen, würde sich in Grenzen halten. In Deutschland, wo es bei der Einspeisevergütung kein Limit für einzelne Technologien gibt, liege die Zusatzbelastung pro Haushalt bei lediglich zwei Euro im Monat. Wer die Vision von der energiesparenden und umweltschonenden Gesellschaft ernst nehme, dürfe Privatleute, die in alternative Versorgungsformen investieren, nicht ausbremsen, sagt Leuenberger. SVP will Förderung streichen Im Nationalrat liegen mehrere Motionen zur Einspeisevergütung vor. Eric Nussbaumer (SP/BL) fordert in seiner Motion, die Mengenbegrenzung aufzuheben, damit das gesamte wirtschaftliche Potenzial der erneuerbaren Energien erschlossen werden kann. Der Bundesrat dagegen beantragt, eine kurzfristige Gesetzesänderung abzulehnen. Die Kostenfolgen für den Konsumenten seien nicht absehbar. Zudem könne es einen deutlichen Unterschied zwischen angemeldeter und tatsächlich realisierter Strommenge geben. Eine eingehende Beobachtung und Analyse der Situation sei notwendig, um festzustellen, ob überhaupt Handlungsbedarf bestehe. Die Schweizerische Volkspartei beantragt gar, die Zuschläge für die Alternativenergien bis auf weiteres zu sistieren. „Produktionsschwache und teure Energieträger wie Solar- und Windkraft” sollten nicht einseitig bevorzugt werden, schreibt die SVP in ihrer Motion. SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga (BE), die sich für ein nationales Förderprogramm zur energetischen Sanierung von Gebäuden einsetzt, spricht sich auf Nachfragen dafür aus, alle Deckel von der Einspeisevergütung zu nehmen. Den Deckel nur über dem Photovoltaik-Topf zu lupfen, könnte auf Kosten der anderen Energieträger gehen, gibt Sommaruga zu bedenken. Mit der Einspeisevergütung beabsichtigt die Schweiz, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 deutlich zu erhöhen. Weltweit wird der Solarenergie eine hohe Bedeutung für die künftige Stromerzeugung eingeräumt. Experten sagen: Alle 90 Minuten schicke die Sonne so viel Energie auf die Erde wie die Menschheit in einem Jahr verbrauche. Und selbst in der von der Sonne nicht immer verwöhnten Schweiz liege die jährliche Einstrahlung bei 1100 Kilowattstunden pro Quadratmeter, rechnet Swissolar vor. „Damit wird die Hälfte der Solarenergiemenge erreicht, die wir in der Sahara vorfinden.” Langfristig könnte auf Schweizer Dächern ein Drittel der Strombedarfs mit Solarzellen erzeugt werden, erwartet die Internationale Energieagentur. Anmeldungen für die Einspeisevergütung (Stand Ende Juli 2008): Photovoltaik: 4036, davon bewilligt: 1177 (29 Prozent) Windenergie: 343, davon bewilligt: alle Wasserkraft: 347, davon bewilligt: alle Biomasse: 187, davon bewilligt 182 (97 Prozent) Geothermie: Keines Quelle: Bundesamt für Energie |
|