Der Wettbewerb um natürliche Ressourcen wird der entscheidende Faktor des 21. Jahrhunderts sein. Engpässe in der Energieversorgung und die Klimaerwärmung gehen einher mit Nahrungsmittelknappheit, Verlust an Artenvielfalt, Überfischung, Bodenerosion und Wasserverschmutzung. Wir werden mit einem sich beschleunigenden weltweiten Missverhältnis von Angebot und Nachfrage nach lebensnotwendigen Ressourcen konfrontiert sein, von einigen „Peak everything“ genannt.
Tatsache ist, dass wir Menschen mehr erneuerbare Ressourcen verbrauchen, als die Erde erneuern kann. Das so entstandene globale ökologische Defizit wird zur wachsenden Belastung für unseren Planeten – und damit für unsere Wirtschaft und das menschlich Wohlergehen. Speziell dann, wenn die USA und Europa weiterhin auf hohem Niveau konsumieren und Länder wie Indien und China ihre Wachstumstrends fortsetzen. Doch wir können den Kurs ändern. Nachhaltigkeit ist zum eigenen Vorteil Eine nachhaltige Wirtschaftsweise ist im Sinne unseren eigenen Interessen, viel mehr noch als die laufende Klimadebatte vermuten lässt. Viele Meinungsträger sind in der Fehlannahme gefangen, die Förderung von Nachhaltigkeit bremse unsere Wirtschaft, folglich könnten wir uns solche Ausgaben erst später leisten. Nun, später ist JETZT. Verschieben wir die Veränderungen auf später, werden wir der Herausforderung, innerhalb unseren ökologischen Grenzen zu Leben, nicht mehr gewachsen sein. Nachhaltigkeit liegt im Interesse jedes Landes, jeder Stadt und jedes Unternehmens. Wer sich besser auf das Leben in einer Welt mit knappen Ressourcen vorbereitet, wird zu den Gewinnern gehören. Im Zeitalter von knappen Ressourcen wird der Wohlstand von Nationen neu definiert werden. Die Anpassungen an diese neuen ökonomischen Umstände braucht Zeit und erfordert tief greifende Strategien zur Reduktion des ökologischen Fussabdrucks zum Schutz der ökologischen Reserven und zur Förderung von Innovationen. Wir müssen zeigen können, dass rasches Handeln im Eigeninteresse jedes Landes liegt. Dies eröffnet Chancen für eine urbane Erneuerung. Städte, die im bisherigen Trott weiterfahren – also von grossen Mengen ökologischer Ressourcen aus dem Ausland abhängig sind – sind zunehmend gewaltigen Risiken ausgesetzt. Hingegen werden Städte mit geringem Ressourcenbedarf von einem Wettbewerbsvorteil profitieren können. Jene, die nicht in der Lage sein werden, eine hohe Lebensqualität trotz kleinem Fussabdruck zu garantieren, werden in einer Zukunft knapper Ressourcen deutlich im Nachteil sein. Der Ökologische Fussabdruck Politische Entscheidungsträger und Stadtplaner ignorieren oft die Folgen eines ökologischen Defizits und bleiben in ideologischen Debatten über die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung hängen. Klare Daten zur Verfügbarkeit und Verbrauch von Ressourcen dagegen lassen solche Debatten zu konstruktiven Diskussionen über empirische Tatsachen werden. Was wir brauchen sind Buchhaltungssysteme für natürliches Kapital. Diese können folgende Fragen beantworten: Wie viel Natur, also Biokapazität, haben wir? Wie viel davon nehmen wir in Anspruch? Genau solchen Fragen geht der ökologische Fussabdruck nach. Wie viel biologisch produktive Fläche bot unser Planet 2005? Es waren 2,1 Hektaren pro Person. Zum Vergleich: die durchschnittliche Nachfrage betrug 2005 gemäss unseren konservativen Berechnungen 2,7 Hektaren pro Person – oder genauer gesagt globale Hektaren, also durchschnittlichproduktive Hektaren. Derjenige eines durchschnittlichen US Bürgers betrug 9,6 globale Hektaren. In der Schweiz waren es 5,0 globale Hektaren. Bei der Infrastruktur beginnen Die Anpassung unserer Infrastruktur an die Verknappung von Ressourcen braucht Zeit und Weitblick. Deshalb hat für uns der ökologische Fussabdruck Priorität, und nicht die Förderung von anhaltendem ökonomischem Wachstum. Robuste Messinstrumente wie der Fussabdruck sind eine wertvolle Entscheidungsgrundlage. Sie erleichtern die Konsensbildung und die Festlegung von Zielen und Massnahmen zur Erhaltung der menschlichen Wohlfahrt. Für Entscheidungsträger ist es elementar zu wissen, was die Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Städte sein werden. Sind unsere Investitionen in urbane Infrastrukturen versteckte Ressourcen-Fallen, welche eine nachhaltige Zukunft verbauen? Erlauben sie es uns, in einer Welt knapper Ressourcen zu agieren und ein positives Erbe zu hinterlassen? Nach moderaten UNO-Szenarien werden wir 2030 den Gegenwert von zwei Planeten brauchen, falls wir den Trend unseres Ressourcenverbrauches wie bisher fortsetzen. Dieses Konsumniveau ist physikalisch unmöglich und würde zu ökologischen Defiziten und dem Kollaps von Ökosystemen auf der ganzen Welt führen. Der rasante Anstieg des Defizits und die Langsamkeit, mit der sich gesellschaftliche Institutionen, Gewohnheiten der Landnutzung, Infrastruktur und Bevölkerung verändern, deuten darauf hin, dass die entscheidenden Schritte bei der langlebigen Infrastruktur unternommen werden müssen. Dazu gehören etwa Häuser, Strassen, Bürogebäude, Kraftwerke, Dämme und Transportsysteme. Intelligente Investitionsentscheide sind folglich richtungweisend für unsere zukünftigen Konsummöglichkeiten und die Wohlfahrt unserer Gesellschaft. Die Analyse des ökologischen Fussabdrucks kann somit helfen zu entscheiden, wie die Gesellschaft ihre besten Kräfte und ihr Geld einsetzen soll. Werden wir die Chance nutzen? Dies ist keine Schwarzmalerei. Es geht viel mehr darum aufzuzeigen, dass wir mit den vorhandenen Ressourcen unser langfristiges Wohlergehen sichern können. Die Überprüfung der Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft und die Neuorientierung der Investitionstätigkeit bringen hohen Nutzen. Eine nachhaltige Entwicklung rettet nicht nur unsere Lebensgrundlage, sie sichert auch jenen langfristig ein Einkommen, welche vorausschauend planen und in Hinsicht auf die zukünftige Ressourcenknappheit heute Entscheidungen treffen. Die Herausforderung wird folgende sein: Falls die Bevölkerung wie bisher wächst und wir annehmen, dass wir einen Teil unserer Biokapazität den anderen Arten überlassen, wird bis 2050 die verfügbare Biokapazität pro Person noch 1 Hektare betragen. Gelingt es uns, Städte zu planen, die trotz dem Limit von einer Hektare pro Person lebenswerte Bedingungen bieten? Dies bedeutet, dass wir mit einem Fussabdruck von nur einer Hektare alles bereitstellen müssen: Energie, Abfallentsorgung, Nahrungsmittel, Materialien, Fasern. Können wir die Nutzung dieser einen Hektare zu einem erfüllenden Erlebnis machen? Kann diese 1 Hektar auch zum ästhetischen Erlebnis werden? Und wer wird, mit einem Fussabdruck von nur einer Hektare pro Person das lebenswerteste Stadtleben ermöglichen? Der Autor Mathis Wackernagel hat zusammen mit William Rees den Begriff des Ökologischen Fussabdrucks geschaffen. Er ist derzeit Exekutivdirektor des Global Footprint Networks, einem strategischen Partner der FFGS.
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