Obama setzt auf Erneuerbare

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: John Dyer, Boston 07.11.08
Bookmark and Share

Washington - Mit seinem Bekenntnis zur wachsenden Nutzung alternativer Energien an Stelle von Öl und Atomkraft hat Obama besonders der Solar- und Windkraft-Industrie neue Hoffnung gegeben. Grüne Technologien waren unter der Bush-Regierung verpönt.

Der künftige US-Präsident Barack Obama hat im Wahlkampf Wandel versprochen, auch in der Energiepolitik. Während sein Rivale John McCain auf Offshorebohrungen und Atomenergie setzte, um die USA unabhängiger von Erdölimporten zu machen, hat Obama den Wechsel zu so genannten grünen Technologien und Nutzung erneuerbarer Energiequellen angekündigt. Unter Obama könnte Amerika - das Land mit dem aufgeblähten Energiekonsum - zu einem viel „grüneren” Land werden.

Anknüpfen an Roosevelt

Obama hat versprochen, ökologische Technologien in den nächsten zehn Jahren mit 150 Milliarden Dollar zu fördern. Ein Viertel des amerikanischen Stromverbrauchs soll bis 2025 aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Der gewählte Präsident setzt vor allem auf stärkere Nutzung von Wind- und Sonnenenergie, will aber auch Technologien prüfen lassen, die bei der Verstromung von Kohle die Treibhausgase und andere Schadstoffe auffangen, statt sie in die Luft zu blasen.
Unter der republikanischen Regierung habe sich in Washington eine Aversion gegen die so genannten grünen Technologien entwickelt, sagt David Schoenwald vom New Alternatives Fund, einem Anlagefonds mit 246 Millionen Dollar, der seit 1982 in umweltfreundliche Industrien investiert. Diese ablehnende Haltung habe dazu geführt, dass nicht amerikanische Firmen, sondern der dänische Windenergie-Gigant Vestas weltweit führend in diesem Bereich sei, fügte Schoenwald hinzu. Er habe sich Obamas Programm und seine Abstimmungen im Senat genau angesehen. „Vielleicht wird es eine Art WPA-Programm geben, in das die alternativen Energien hineinpassen.” Die Works Progress Administration (WPA) war einer der effektivsten Massnahmen des „New Deal” von Präsident Franklin Delano Roosevelt. Durch Steuern finanziert, schaffte die WPA Millionen Arbeitsplätze durch den Bau von Strassen, Brücken, Flughäfen, Krankenhäusern, Parks und öffentlichen Gebäuden.

Krise trifft alternativen Sektor

Die Ablehnung alternativer Energien durch die Republikaner liess die Sonnen- und Windkrafterzeuger unvorbereitet für den Zusammenbruch des Finanz- und Kreditmarktes. Da diese Industrien unter Präsident George W. Bush nicht wichtig genommen wurden, mussten sie ohne Förderung zu zwar leicht erhältlichen, aber auch wenig sicheren Krediten greifen. „Der Bereich der alternativen Energien befindet sich derzeit in einer besonders depressiven Phase” erläutert Schoenwald. „Da ist die Kreditkrise, die die Entwicklung neuer Projekte verhindert. Die Verbraucherpreise fallen mit der schwächelnden Wirtschaft. Im Bereich der Solarzellen aber ist das, was für den Verbraucher gut ist, nicht gut für die Hersteller.”
Obamas 150 Milliarden könnten zu einem Rettungsplan für die Solar- und Windenergie-Industrien werden. Der würde ihnen Finanzmittel zugänglich machen, um weitere Forschung und Entwicklung zu betreiben. Obama muss diesen Energiesektor auch stützen, weil er eine ganze Reihe neuer Regulierungen für die amerikanische Industrie zur Durchsetzung ökologischer Ziele plant.

Widerstand zu erwarten

Im Kongress wird es Widerstand gegen Obamas Absicht geben, mindestens 25 Prozent des nationalen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Ressourcen zu gewinnen. Die mächtigen Energieversorgungsunternehmen, die Öl-Industrie und Verbrauchergruppen werden sich dagegen sperren. Selbst für den Grundgedanken offene Politiker könnten das Vorhaben ablehnen. Denn der Vorschlag könnte den ohnehin schon hohen und instabilen Energiepreis steigern und Bundesstaaten und Gemeinden zu teuren Infrastrukturumbauten zwingen, für die sie einfach kein Geld haben.
Der gewählte Präsident möchte weiterhin die Emission von Treibhausgasen in den USA in den nächsten 40 Jahren um 80 Prozent reduzieren, ein Regelwerk für den Handel mit Emissionsrechten einführen und Anreize für die Autoindustrie schaffen, damit diese bis 2015 eine Million Autos mit Hybrid-Antrieb baut, die an der Steckdose aufgeladen werden können.
Die US-Märkte könnten den neuen, von Obama geförderten Sektor als interessantes Investitionsgebiet sehen. Seine Wahl „könnte einigen der Alternativenergie-Firmen helfen, besonders bei Solar- und Windenergie”, sagte NASDAQ-Direktor Annu Sharma vor dem Wahltag. „Wir haben gesehen, wie sich die Solar-Aktien verhielten, als das Öl um die 150 Dollar kostete. Diese Aktien schnitten deutlich besser ab, als der Markt im Durchschnitt.”
Die Solar-Industrie habe auf jemanden mit Durchsetzungsvermögen gewartet, der die Notwendigkeit für grüne Energie begreiflich mache, erklärte Michael El-Hillow, Finanzgeschäftsführer von Evergreen Solar in Massachusetts, das mit dem Solarmodul-Herstellen EverQ im deutschen Thalheim eine Partnerschaft unterhält. „Man muss sich um die Umwelt sorgen, und, dass die Dollars für Erdöl ins Ausland bezahlt werden”, sagte El-Hillow.

 

Mehr Informationen:

Obamas Programm für die Förderung erneuerbarer Energien (engl.)

US-Energieministerium zu erneuerbaren Energien (engl.)

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Deprecated: Function ereg_replace() is deprecated in /home/www-data/nachhaltigkeit.org/components/com_jcalpro/config.inc.php on line 405

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren