Rekorderwärmung in der Arktis

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: John Dyer, Boston 17.10.08
Bookmark and Share
Stichworte:         

Der Arktis-Bericht über die Veränderungen der vergangenen drei Jahre zeigt generelle Erwärmung, Verlust von Lebensraum für bestimmte Tiere, aber auch ungeklärte Phänomene wie eine lange Kälteperiode in der Bering-See.Das Eis der Arktis schwindet und macht die Gefährdung des komplizierten arktischen Öko-Systems deutlich. Eisbären und Rentiere, Walrosse und andere Meeressäuger der kalten Regionen verlieren zunehmend ihren Lebensraum. Die Veränderungen geben eine Vorahnung von dem, was weitere Erderwärmung in südlicheren Regionen bedeuten würde. Die höheren Temperaturen haben neue Rekordverluste an Sommer-Meer-Eis gebracht. Auch das Grönlandeis schmilzt mit alarmierender Geschwindigkeit. All das geht aus dem Jahresbericht über die Arktis hervor, der am Freitag von der amerikanischen Wetter- und Meeresbehörde NOAA veröffentlicht worden ist.

Empfindlicher Veränderungs-Anzeiger
„Zusammengenommen ergeben diese Informationen einen Bericht von weit reichenden und in manchen Bereichen dramatischen Auswirkungen einer allgemeinen Erwärmung im arktischen System”, erklärte Jackie Richter-Menge vom Forschungslabor für Kaltregionen der US-Armee in Hanover (New Hampshire). Die Schmelze drohe den Meeres-Pegel deutlich ansteigen zu lassen und die Arktis für bestimmte Tierarten wie Eisbär und Rentier unbewohnbar zu machen. „Die Veränderungen in der Arktis zeigen den Dominoeffekt verschiedener Ursachen deutlicher als in anderen Regionen”, sagte James Overland von der NOAA in Seattle. „Das ist ein sehr empfindliches System und zeigt Veränderungen deshalb verhältnismäßig rasch und dramatisch.”
Die NOAA hat einen Arktis-Bericht für die vergangenen drei Jahre erstellt. 46 Wissenschaftler aus zehn Ländern haben daran mitgearbeitet. Untersucht wurden die arktische Atmosphäre, Meer-Eis, das Leben auf dem Land und im Wasser sowie die Entwicklung auf Grönland. „Der Arktis Bericht ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Forschungsteams zusammen daran arbeiten können, einen umfassenden Bestandsaufnahme des arktischen Systems zu erarbeiten”, sagte Richter-Menge.

Eisschmelze beschleunigt Erwärmung
Der Verlust von Meereseis, das die Arktis normalerweise durch Abstrahlung der Sonnenwärme schützt, hat ermöglicht, dass die ungehindert einstrahlende Sonne das Nordmeer stärker erwärmt. Die Herbsttemperaturen in der Arktis sind in diesem Jahr um fünf Grad Celsius höher als normal. Zwar liegen die diesjährigen Temperaturen geringfügig unter denen des vergangenen Jahres, aber der Erwärmungszyklus, der Mitte der 60er Jahre begonnen hat, ist ungebrochen. „Der Verlust von Meer-Eis lässt eine kräftige Meereserwärmung durch Sonneneinstrahlung zu, und je wärmer das Meer ist, um so weniger neues Meer-Eis kann sich bilden”, sagte Richter-Menge. Mit der Erwärmung geht ein bisher nicht gekanntes Ansteigen des Meeres-Pegels um einen viertel Zentimeter pro Jahr hervor. Am meisten trägt Grönland zu dieser Entwicklung bei, wo im vergangenen Jahr der Rekordverlust von 24 Kubikmeilen Eis (etwa 110 Kubikkilometer) von den Wissenschaftlern gemessen wurde.
Das Problem scheine immer gravierender zu werden, sagen die Wissenschaftler. Die Eisdecke schmilzt inzwischen jährlich an 20 Tagen mehr als früher. Manche Wissenschaftler sprechen sogar davon, dass es 53 Tage pro Saison mehr gebe, an denen das Eis schmelze, als vor Beginn der Erwärmungsphase.

Lebensräume verändert
Die Erwärmung beeinträchtigt sowohl das Leben auf dem Land als auch im Meer. Arktische Rentier- und Karibou-Bestände sind zwar seit den 70er Jahren angewachsen. Allerdings scheint die Population jetzt zu stagnieren oder schon abzunehmen. Die Zahl der Säugetiere, die in und aus dem Meer leben, scheint ebenfalls abzunehmen. In bestimmten Gebieten der Arktis gibt es deutlich weniger Eisbären. Für die Bestände an Walrossen liegen keine Zahlen vor. Allerdings nimmt der Bestand bei manchen Wal-Arten ab.
Die Gänse-Population nimmt dagegen zu, weil diese Vögel ihren Lebensraum immer weiter in die Arktis ausdehnen. Auch sind inzwischen Sträucher in Permafrost-Regionen zu finden, in denen sie früher nicht wachsen konnten. Einige Tier- und Pflanzenarten werden also von der Arktis-Erwärmung profitieren.
Der Report hat auch einige Daten produziert, die noch nicht erklärt worden sind. „Anders als die allgemein erwärmte Arktis befindet sich die Bering-See in einer verlängerten Kälte-Phase”, berichtet Richter-Menge. „Auf der einen Seite erwärmt sich die bisherige Permafrost (Dauerfrost-) Region, zum anderen ist die Erwärmungsgeschwindigkeit aber langsamer als in den 90er Jahren. Das ist ein sehr kompliziertes System und wir arbeiten mit Eifer daran, diese Geheimnisse zu lüften.”

Von John Dyer, Boston

 

Mehr Informationen:

Annual Arctic Report Card 

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren