Saar-Garnelen retten Mangroven

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Geschrieben von: Ulrich Glauber, Frankfurt 02.10.08
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Black Tiger-Garnelen erfreuen sich grosser Beliebtheit. Doch ihre Produktion zerstört die Küsten Vietnams und Thailands. Die Zucht der Jungtiere in Europa könnte die Produtkion ökologisch verträglich machen.

Bert Wecker vom Anlagenbauer International Fish Farming Technology (IFFT) lässt gern die Phantasie schweifen. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für den Meeresbiologen auch, auch die von den Fischen nicht verwerteten Nährstoffe und deren Kot optimal zu verwerten. So könnten Mikroalgen als Futter für Larven und Würmer zum Aufbau neuer Biomasse dienen oder von der in Bergisch-Gladbach bei Köln beheimateten IFFT direkt auf den Markt gebracht werden – beispielsweise als Grundstoff für Kosmetika. „Die Nährstoffe für die Mikroalgen sind im Wasser der Völklinger Anlage alle vorhanden“, erklärt der Wissenschaftler. Der biologische Produktionsprozess sei aber alles andere als trivial. „Das erforschen wir gerade“, sagt Wecker.

Abholzungen im Mekong-Delta

Im Herbst startet ein Projekt, das den Umweltschäden durch die rasant wachsende Nachfrage nach Black Tiger Shrimps vorbeugen soll. Um 31 Prozent ist der Import dieser Garnelenart in die Bundesrepublik im vergangenen Jahr gestiegen. Zumeist stammt die Delikatesse, die inzwischen schon beim Discounter zu haben ist, aus Thailand und Vietnam.

„Die in Monokulturen gehaltenen Garnelen-Setzlinge sind extrem krankheitsanfällig“, sagt IFFT-Geschäftsführer Friedrich Esser. Die Betreiber der Zuchtfarmen setzen dem Wasser deshalb laut Esser so viele Antibiotika und andere Medikamente zu, dass die Becken nach drei bis zehn Jahren für eine weitere Verwendung zu verseucht sind.

Auch das trägt dazu bei, dass sich die Fläche der Fischfarmen allein im vietnamesischen Mekong-Delta bei unveränderter Entwicklung von 3.000 Hektar im Jahr 1995 auf 80.000 Hektar in zwei Jahren ausgedehnt haben wird. Um Zuchtbecken anzulegen, werden Mangrovenbäume abgeholzt. „Da Mangrovenwurzeln sicherer Lebensraum für Fische, Muscheln und Krabben sind und ihren Larven und Jungtieren beste Bedingungen bieten, droht die Kinderstube der Ozeane verloren zu gehen“ warnt Esser. Für die regionale Küstenfischerei habe die Verödung damit ebenfalls schlimme Folgen.

Dreijähriges Projekt

Ziel des IFFT-Projektes ist es, gesunde „Postlarven“ – fast erwachsene Garnelen – nach Südostasien zu liefern. Sie sollen im geschlossenen Kreislauf der Völklinger Anlage gezüchtet werden. Das Forschungsvorhaben, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 280.000 Euro (450.000 Franken) gefördert wird, ist auf drei Jahre angelegt.

„Zuerst müssen wir gesunde Elterntiere besorgen“, erläutert der Biologe Wecker. „Das ist gar nicht einfach, weil die meisten Garnelen von Viren befallen sind.“ Dann soll in Völklingen ein Bestand an gesunden Garnelen aufgebaut werden um damit Larven und Postlarven zu züchten. „Wenn das geglückt ist, können wir nach Abschluss des Projekts eine kommerzielle Brutanstalt für den Black Tiger Shrimp in Deutschland errichten, diese Postlarven in ausreichenden Mengen produzieren und per Luftfracht nach Asien schicken“, hofft Wecker.

Wenn die Zucht von Mikroalgen ebenfalls erfolgreich ist, können damit neben der Vermarktung auch die Fische und später möglicherweise auch der Garnelen-Nachwuchs gefüttert werden. Damit würde sich dann in der Völklinger Kreislaufanlage auch in der Nahrungskette der Kreis schliessen, so jedenfalls planen die Biologen um Bert Wecker.

Von Ulrich Glauber, Frankfurt

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